RitualeSingen

Mitsingen ist möglich! Die Fähigkeit zu singen, verschwindet im Alter nicht. Die männliche und weibliche Stimmlage gleicht sich an, so dass die Mittellage von Männern wie von Frauen als angenehm empfunden wird. Die Stimme verändert sich im Altersprozess und das wird individuell, gerade für ehemalige Sänger, als Verlust wahrgenommen.

Singen kann jeder!

Nicht nur derjenige ist musikalisch, der ein Instrument spielt oder eine musikalische Ausbildung erfahren hat. Sich von Tönen und Melodien bewegen zu lassen, haben Menschen von klein auf erlebt. Jeder hat im Grunde schon gesungen, bevor er sprechen konnte. Singen war früher in der Schule, im Haus und in der Familie weit mehr verankert als heute.

Rückfragen erlaubt!

Wenn ein Bewohner auf das Singen im Gottesdienst ablehnend reagiert und äußert: „Ich kann nicht singen“, „ich bin nicht musikalisch“, lohnt es sich nachzufragen:

  • Gibt es Gründe wegen einer Krankheit, die Sie hatten?
  • Ist Ihnen nicht nach singen?
  • Hatten Sie in letzter Vergangenheit eine OP mit Narkose? (die Stimmbänder erholen sich auch beim hochaltrigen Menschen in der Regel von den Folgen einer Narkose)
  • War das schon immer so? Gab es Zeiten, in denen Sie gesungen haben?
  • Hat jemand hier mal etwas gesagt? Gab es einen Vorfall im Gottesdienst? Sind Sie Musiker?

Ich singe gerne mit, wenn…

Verschiedene Faktoren beeinflussen, ob Bewohnerinnen und Bewohner sich beim Singen im Gottesdienst wohlfühlen und mitsingen.

  • Eine einladende Atmosphäre entsteht, wenn:
  • Die Lieder bekannt sind
  • Die Lieder begleitet werden (siehe Empfehlung unten)
  • Die Lieder in der Mittellage der Stimme angestimmt werden, dazu müssen Tonarten im Gesangbuchsatz angepasst werden.
  • Die Lieder deutlich langsamer gesungen werden
  • Die Liedtexte vorhanden sind mit großem und kontrastreichen Druck
  • Die Lieder ruhig, deutlich aber nicht überlaut angesagt werden.

Menschen mit demenzieller Veränderung können sich beim Gesang oftmals völlig unauffällig einbringen. Singen wird als zutiefst sinnvoll erlebt, weil eine gewisse Zeitspanne – aufgrund der Verankerung im Gedächtnis – vorausgespürt werden kann.

Lieder öffnen Türen des Lebens!

Kirchenlieder waren natürlicher Bestandteil des Alltags und erinnern an Begebenheiten in unserer Lebensgeschichte. Lieder sind durch das wiederholte Singen besonders tief verankert und bleiben als Melodie oder Wortreste bis zuletzt verlässliche Begleiter unserer Identität. Lieder stellen eine Verbindung des Menschen zu sich selbst her, aber Lieder bilden auch Brücken zu anderen.

Tipp: Das Ende eines Liedes kann besonders "zelebriert" werden, z.B. durch musikalische Gestaltung wie ein Ritardando. Das bringt der gesamten singenden Gemeinde eine gemeinschaftliche Erfahrung und kann für Menschen mit Demenz ein Highlight sein.

Lieder predigen das Evangelium aus Gesangbuchliedern. Ihre Melodien und Worte sind Symbole des Glaubens. Lieder predigen auf emotionale Weise und  "ohne Worte". Sie sind ein Energiefeld, in dem Menschen Kräfte finden, um ihren Weg zu gehen und am Ende in die andere Welt aufbrechen zu können.

Und wenn einfach zu wenige mitsingen und es nicht gut klingt?

Oft sind Menschen vom Hol- und Bringdienst im Gottesdienst anwesend. Das sind in der Regel die Stützen des Gesangs. Wenn sie gut verteilt im Raum sitzen, ist das eine Hilfe. Bei der Auswahl der Lieder kann man als Gottesdienstleitende auch darauf ein Augenmerk richten, welche Lieder bei dieser Gruppe besonders gut ankommen. Das motiviert. Und zuletzt ist der eigene Gesang, stehend vorne vom Pult aus, eine Orientierung für die Gemeinde.

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