RitualeAbendmahl

Für viele der alten Menschen hat das Abendmahl eine zentrale Bedeutung. Dieses vertraute Ritual vergewissert über die Zuwendung Gottes in der Sündenvergebung und wirkt gemeinschaftsfördernd.

In der Regel wird es im Gottesdienst ausgeteilt. Jedoch gibt es viele Bewohnerinnen und Bewohner, die diese Gottesdienste nicht besuchen können. Diesen Menschen wird angeboten, auf dem eigenen Zimmer das Abendmahl einzunehmen.

Wenn möglich, werden mehrere Bewohner zu kleinen Gruppen zusammengefasst, damit der Gemeinschaftscharakter des Abendmahls auch hier zum Ausdruck kommt. Wer ans Bett gebunden ist, wird dort aufgesucht.

Liturgie

Für die Feier selbst gibt es eine Liturgie, die frei variiert werden kann, je nach Gesundheitszustand der Teilnehmenden. Sie kann folgendermaßen aussehen:

  • Christus spricht: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18, 20)
  • Psalm (i.d.R. Ps 23)
  • Wort zum Abendmahl
  • Eventuel das Glaubensbekenntnis 
  • Sündenbekenntnis
  • Zuspruch der Vergebung
  • Abendmahlsgebet
  • Einsetzungsworte
  • „Christe, du Lamm Gottes“ (Eg 190.2)
  • Austeilung
  • Entlasswort
  • Dankpsalm oder Dankgebet
  • Vaterunser
  • Segen

Sie können auch die Anregung geben, Angehörige zu der Feier einzuladen - für viele ist das schön und wichtig.

Für demenziell erkrankte Menschen hat die Feier des heiligen Abendmahls großen Wiedererkennungswert - gerade der bekannte Psalm, das Glaubensbekenntnis und die Einsetzungsworte werden gerne mitgesprochen. Sie geben ein Gefühl der Beheimatung.

Gestaltung

Zur Vorbereitung der Feier wird ein kleiner Altar mit Kreuz, Kerze(n), Brot und Wein aufgebaut. Auch die Bibel kann dort als wichtiges Symbol für die Nähe Gottes aufliegen. Die Austeilung des Mahls kann in Form von Hostien oder Brot erfolgen. In jedem Fall aber sollte Traubensaft in der unvergorenen Form gereicht werden – der Medikamente wegen.

Bei schwer demenziell erkrankten Menschen kann die Form der Intinctio, also des Eintauchens des Brotes oder der Hostie, angesagt sein.

Aufgrund ihrer konfessionellen Zugehörigkeit können Heimbewohnerinnen und Heimbewohner Vorbehalte gegen die Teilnahme an der Abendmahlfeier haben. Diese sind selbstverständlich zu berücksichtigen. Grundsätzlich lädt die Evangelische Landeskirche alle Menschen zur Teilnahme am Abendmahl ein, die in ihrer eigenen Kirche zur Teilnahme berechtigt sind.

Text:
Ute Pilgrim-Volkmer, Reutlingen