Religion / Glaube GesundheitGottesdienst und Andacht

Gottesdienste sind liturgische Feiern, in denen sich Menschen zum Lob Gottes und zum Gebet versammeln. Zu einem vollständigen Gottesdienst gehören der Eingangsteil mit Votum, Psalm und Eingangsgebet, der Verkündigungsteil mit Schriftlesung, Wochenlied und Predigt sowie der Sendungsteil mit Fürbittengebet, Vaterunser und Segen.

Die Andacht stellt einen verkürzten Gottesdienst dar. Sie kommt pflegebedürftigen Menschen entgegen und berücksichtigt deren Aufnahmefähigkeit.

Vorbereitungen

  • Sprechen Sie zunächst die Gottesdienstzeit mit dem Heim ab. Tragen Sie Sorge dafür, dass die Gottesdienste bekannt gemacht werden (z.B. über Hausmitteilungen).
  • Die Bewohner*innen brauchen Unterstützung dabei, um von den Wohngruppen zum Andachtsraum zu gelangen. Können ehrenamtlich Mitarbeitende für diesen Abholdienst gewonnen werden?
  • Vor dem Gottesdienst ist Lüftung des Raums angebracht (keine Küchendünste!).
  • Achten Sie darauf, dass wenigstens eine Pflegekraft oder Betreuungsassistenz des Hauses zur Verfügung steht, um im Notfall jemand auf die Toilette zu begleiten oder um auf eine unruhig werdende Person einzugehen. Aus versicherungsrechtlichen Gründen ist die Anwesenheit einer Pflegekraft nötig, falls Bewohner während des Gottesdienstes gesundheitlich Hilfe brauchen.
  • Der Raum, in dem der Gottesdienst stattfindet, ist in der Regel ein Multifunktionsraum. Er soll zuvor eigens dafür gestaltet werden. Bewohner sollen erkennen: Hier wird jetzt Gottesdienst gefeiert, hier ist jetzt „Kirche“. Erkennbare Zeichen sind etwa Altar (Tisch) mit Kerzen, aufgeschlagener Bibel, Kreuz und Blumenschmuck und ein einladendes Glockengeläut (evtl. von CD).

Elemente der Gestaltung

  • Persönliche Begrüßung und Verabschiedung erfreuen die Teilnehmenden und verleihen ihrer Wertschätzung Ausdruck.
  • Langsames und deutliches Sprechen dient dem Verständnis.
  • Ein fester liturgischer Ablauf schafft Vertrautheit, ebenso die Verwendung von bekannten Chorälen und biblischen Texten.
  • Für das Singen sind Liedblätter (Großdruck!) leichter zu handhaben als Gesangbücher (Gewicht, kleiner Druck).
  • Die Predigt soll kurz sein (maximal 10 Minuten). Als Grundlage wählen Sie am besten bekannte und einfache Bibeltexte aus (Orientierung mehr an den Bewohnern als an den Perikopenreihen).  
  • Die poetische Sprache der Lieder hat sich den Menschen oft tiefer eingeprägt als mancher Bibelvers. Daher sind Liedpredigten hin und wieder angebracht.
  • Das Abendmahl kann in jedem Gottesdienst gefeiert werden. Es spricht ganzheitlich an: „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist“. Statt Oblaten und Wein können auch gewürfeltes Toast- oder Weißbrot und Einzelkelche mit Traubensaft verwendet werden. Aus praktischen Gründen hat sich bei der Austeilung auch die Form der „intinctio“ bewährt (Eintauchen der Hostie oder des Brotstücks in den mit Wein/Saft gefüllten Kelch vor der Austeilung).
  • Im Anschluss an Fürbitten und Vaterunser besteht bei den Abkündigungen die Möglichkeit, Mitwirkenden zu danken, Todesfälle bekannt zu machen oder Jubilare zu erwähnen. Es ist alternativ möglich, die Verstorbenen in das Fürbittengebet aufzunehmen.
  • Das Vaterunser und der Segen sind unverzichtbar. Der Segen sollte als Zuspruch formuliert sein.

Liturgievorschlag

Glockengeläut  (CD) / Persönliche Begrüßung

Musik (z.B. Klaviervorspiel)

Allgemeine Begrüßung mit trinitarischem Gruß / Entzünden der Kerzen

Lied

Psalmgebet                                                                                                         

(Wird der Psalm im Wechsel gesprochen, kann die Gemeinde zwischen den einzelnen Versen immer einen gleichlautenden Kehrvers sprechen.)

Eingangsgebet und Stilles Gebet

Schriftlesung, die gleichzeitig Predigttext sein kann

Lied

Ansprache über eine biblische Geschichte, ein Lied oder ein bestimmtes Thema

(Die Einbeziehung von Gegenständen/Symbolen veranschaulicht wirksam bestimmte Inhalte.)

Lied         

Fürbitten und Vaterunser

Lied

Abkündigungen und Segen

Musik (z.B. Klaviernachspiel)

(Die kursiv gedruckten Stücke können bei einer Andacht weggelassen werden.)

Gottesdienste mit demenziell erkrankten Menschen

Demenzerkrankte Menschen suchen auf eine besondere Art und Weise nach einem Ort, der ihnen Sicherheit und Geborgenheit vermittelt. Angesichts von vielen Verlusterfahrungen und nicht einzuordnenden Lebensumständen, die diese Menschen verarbeiten müssen, können ritualisierte Formen der Begegnung ihnen ebenso ein Zugehörigkeitsgefühl vermitteln wie Orte, an denen ihre Seele "zu Hause" sein darf. Der Gottesdienst im Altenpflegeheim kann solch ein vertrauenswürdiger Ort sein, wo sie ihren Platz in der Gemeinschaft mit anderen finden können.

Tipps zum Gottesdienst mit demenziell erkrankten Menschen

Der Gottesdienst wird immer mit demenziell erkrankten Menschen gefeiert und nicht nur für sie. Sie werden mit einbezogen und beteiligt, damit sie auf ihre Art ihren Glauben ausdrücken können. Dieser Glaube ist sicher nicht mehr so „vernünftig“, wie das bei nicht demenziell erkrankten Menschen oft der Fall ist. Der Glaube bei demenziell erkrankten Menschen gleicht einem Schatz, der tief im Herzen verborgen liegt. Er kann gehoben werden, wenn die Betroffenen im Gottesdienst an Leib, Seele und Geist berührt werden. Ziel des Gottesdienstes wird sein, dass Leib und Seele sich freuen an dem lebendigen Gott (Ps 84,3). Die Beachtung folgender Punkte sind dabei hilfreich:

  • Der klare und einfache Aufbau des Gottesdienstes muss nicht jedes Mal verändert werden.
  • Vertraute Lieder und Texte stärken das Gefühl: „Das kann ich noch, das erinnert mich an früher.“
  • Einfache Gegenstände veranschaulichen die Predigt symbolisch. Ein Schirm etwa bringt zum Ausdruck, dass Gott Menschen beschützt. Ein großes Pflaster unterstreicht die Bedeutung von Heilungsgeschichten. Ein Stein weist darauf hin, was einem schwer auf dem Herzen liegt.
  • Direkte Rede erhöht die Verständlichkeit der Predigt.
  • Segen, der auch durch eine Zeichenhandlung zugesprochen wird (Kreuzzeichen auf Stirn oder Hand) tut wohl.

Eine kommunikationsfördernde Bestuhlung hat ihr Recht, allerdings haben Demenzkranke häufig einen Tunnelblick, sodass es hilfreich ist, sie nicht seitlich oder im Kreis zum Altar sitzen zu lassen, sondern die klassische Kirchenbanksituation zu wählen.

Leichte Sprache

Das Ziel von Leichter Sprache ist: Alle Menschen sollen alles verstehen!
Alle Menschen sollen überall mitmachen können.

Die Leichte Sprache hat feste Regeln. Diese Regeln müssen eingehalten werden, sonst ist es keine leichte Sprache. Leichte Sprache ist wichtig. Viele Menschen, vor allem auch ältere Menschen brauchen Leichte Sprache, damit sie alles gut verstehen. Nur wer alles versteht, kann überall mitmachen.

Evangelium in Leichter Sprache

Das Konzept von „Evangelium in Leichter Sprache“ berücksichtigt die Bedürfnisse von Menschen mit Lernschwierigkeiten, aber auch von Menschen mit Demenz und von Menschen, die nicht so gut Deutsch sprechen können oder Leseschwierigkeiten haben. Das Ziel der Leichten Sprache ist Textverständlichkeit.