Alter heuteDamit wir nicht alt aussehen

Die Arbeit mit Älteren ist für die Landeskirche in Württemberg eine zentrale Aufgabe. Der demografische Wandel löst einen spürbaren Impuls aus, sich mit den Umbrüchen in der kirchlichen Arbeit auseinanderzusetzen und diese Veränderungen aktiv zu gestalten.

Der demografische Wandel vollzieht sich gleichzeitig mit vielfältigen, sich beschleunigenden gesellschaftlichen Veränderungsprozessen. Zu nennen sind beispielsweise Globalisierung, Migration und Umbrüche in den Industriegesellschaften.

Eine Konsequenz des demografischen Wandels ist die zu erwartende Zunahme von Pflegebedürftigen in Deutschland: Prognosen gehen davon aus, dass die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in der gesetzlichen Pflegeversicherung bis zum Jahr 2020 auf 2,9 Millionen ansteigt und sie sich bis zum Jahr 2050 auf 4,5 Millionen fast verdoppeln wird.

Um 20 Jahre voraus

Das Phänomen einer "Gesellschaft des langen Lebens" tritt zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit auf. Am stärksten wird die Zahl hochaltriger Menschen steigen. Diese gewonnenen Jahre sind aus theologischer Sicht geschenkte Jahre. Prägend für die nächsten 15-20 Jahre wird allerdings die vorübergehend hohe Zahl der "jungen Alten" sein.

Der demografische Wandel betrifft die Landeskirche deutlich anders und stärker als die Gesamtgesellschaft. Sie wird von der Zunahme älterer Menschen und auch von Migration geprägt sein und bunter werden. Die Landeskirche in Württemberg ist hinsichtlich des Altersaufbaus der Gesamtbevölkerung um fast 20 Jahre voraus – mit steigender Tendenz. Die Mitgliederzahlen werden aller Voraussicht vom Stand heute bis zum Jahr 2030 um ca. 20 Prozent zurückgehen.

Ältere als Chance für Kirche und Gesellschaft

Negativ besetzte Altersbilder werden dem Alter nicht gerecht. Ältere Menschen wollen als Persönlichkeiten mit vielfältigen Kompetenzen wahrgenommen werden und nicht nur als "Menschen mit nachlassenden Kräften" gesehen werden. Bei hochaltrigen Menschen tritt mit den jahren eine erhöhte Verletzlichkeit (Vulnerabilität) auf. Dennoch bestehen bis zum Lebensende viele Entwicklungspotentiale. Die meisten 65- bis 85-Jährigen sind mit ihrem Leben ausgesprochen zufrieden. Insbesondere sind die "jungen Alten" (die 60- bis 75-Jährigen) eine Chance zur Weiterentwicklung von Kirche und Gesellschaft dar. Ihre Zahl wird in den nächsten zwölf Jahren in der evangelischen Landeskirche in Württemberg um etwa 20 Prozent ansteigen

teaser thumbnail
Seelsorge und Pflege
Traumata sensibel begegnen
teaser thumbnail
Gottesdienste und Predigten
Männergottesdienst zum Ruhestand
teaser thumbnail
Alter neu sehen
Entwicklungspotentiale bei Senioren

Verletzlichkeit im Älterwerden

Die Zunahme der Pflegebedürftigen stellt die Gesellschaft und nicht zuletzt Kirche und Diakonie vor große Herausforderungen. "Neue Sorgestrukturen", sorgende Gemeinschaften werden immer aktueller werden. Für die Kirchengemeinden liegt hier die Herausforderung und die Chance, sich als "sorgende Gemeinde" zu entwickeln.

Theologische Konsequenzen

In einer Gesellschaft des langen Lebens bleibt es ein hoher Wert, sich nicht nur von Gott, sondern auch vom Menschen, also auch vom alten Menschen kein Bildnis zu machen (2.Gebot und 2.Mose 20,4). Bis zuletzt ist der Mensch im Werden. Ja, sogar mitten im Tod sind wir im Leben (Martin Luther). Im Alter "neu" werden ist eine zutiefst christliche Zielperspektive, die uns im Umgang mit dem Alter sowohl vor Defizit- als auch vor Anti-Aging-Orientierung bewahrt.

Vision

Kirche ist Gemeinschaft der Hoffenden. Sie ist zur Freiheit berufen und das meint: Immer wieder neu anfangen zu können. Sie versteht die Veränderungen, die sich in der Gesellschaft vollziehen als Chance und nicht als Bedrohung. Es ist wie ein Aufbruch in ein neues Land, der auch mit Sorgen und Ängsten verbunden ist.

Text:
Fachgruppe "Demografie und Alter" in der Württembergischen Landeskiche