Das AlterAlter neu sehen

Seelsorge im Alter hängt wesentlich ab vom Bild, das wir vom Alter und vom Altern verinnerlicht haben. Entsprechend dem weit verbreiteten kirchlichen Selbstverständnis als "Kirche für andere" werden alte Menschen vor allem als hilfebedürftig wahrgenommen: Die Kirche tut etwas für alte Menschen.

Wir verbinden mit  Alter und Altern das Nachlassen von Körperkraft, geistiger Vitalität, der Verlust sozialer Rollen sowie der Abbau von Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Durch eine steigende Zahl von aktiven und fitten älteren Aktionsträgern in der Gesellschaft ist jedoch ein Wandel hin zu 'positiveren' Altersbildern wahrzunehmen.
Der "Ruhestand" entwickelt sich hin zu einer dritten Lebenphase zwischen etwa 60 und 65 und 75 und 80 Jahren, in der viele eine "späte Freiheit" erleben. Schon die Sprache ist bezeichnend: Best-Ager, Power-Ager,  aktives Alter(n), erfolgreiches Altern. Freilich birgt ein solches Altersbild auch die Gefahr, neue Leistungsnormen zu setzen und Menschen auszugrenzen, die diesen Normen nicht entsprechen.

"Das Alter" gibt es so nicht mehr...

"Das Alter" gibt es also so nicht mehr. Es gilt differenziert sowohl den körperlichen und geistigen Abbau, als auch die Potentiale, Verluste und Gewinne, das Abschiednehmen und neue Anfänge wahrzunehmen.

Beispielhaft sollen einige Ergebnisse der Generali-Hochaltrigenstudie (2014) vorgestellt werden. 400 Menschen im Alter von 85 bis 98 Jahren wurden zu Lebensthemen und Anliegen befragt. Die Studie hat dabei herausgearbeitet, dass bis zum Ende des Lebens Entwicklungspotentiale bestehen. Die "Verletzlichkeitsperspektive" und die "Potentialperspektive" sollen miteinander verbunden werden.
Von den Befragten wurden als häufigste Daseinsthemen geäußert:

  1. Freude und Erfüllung in einer emotional tieferen Begegnung mit anderen Menschen (76 Prozent).
  2. Intensive Beschäftigung mit der Lebenssituation und Entwicklung nahestehender Menschen – vor allem in der eigenen Familie, in nachfolgenden Generationen (72 Prozent)
  3. Erfüllung im Engagement für andere Menschen (61 Prozent)
  4. Bedürfnis auch weiterhin gebraucht zu werden und geachtet zu sein - vor allem von nachfolgenden Generationen (60 Prozent)
  5. Sorge vor dem Verlust der Autonomie (59 Prozent)

Junge Alte gestalten das Alter

Im Blick auf Seelsorge im Alter ist wichtig, dass alte Menschen, insbesondere "junge Alte" selbst als Seelsorgende tätig sind und werden können. Gerade nach Ende der beruflichen Tätigkeit suchen viele ältere Menschen nach Tätigkeiten, in denen postmaterialistische Werte und Beziehungen gelebt werden können.

Text:
Richard Haug, Vorsitzender der Evangelischen Senioren in Württemberg (Lages)

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