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Gottesdienst in der Passionszeit

"Fürchte dich nicht, ich bin mit dir."
Pfarrer Matthias Hannig

 

 

 

Musikalisches Vorspiel

Begrüßung

Lied „Von Gott will ich nicht lassen“ (EG 365, 1-3)

 

Psalm 43 (Wochenpsalm Judika)

 

Eingangsgebet (nach D. Bonhoeffer)

Gott, in uns ist Dunkel, aber bei dir ist Licht.
Wir fühlen uns einsam, aber du verlässt uns nicht.
Wir sind mutlos, aber du hilfst uns.
Wir sind unruhig, aber du schenkst uns Frieden.
In uns ist Bitterkeit, aber bei dir ist Hoffnung.
Wir verstehen unsere Wege nicht, aber du weißt den Weg für uns.
Wir bitten dich: Mach´ uns unseres Lebens gewiss,
stärke uns, richte uns auf, und höre uns,
wenn wir jetzt in der Stille
vor dich bringen,
was uns gerade bewegt......

 

Stilles Gebet

Lesung: Jesaja 41, 8-10

Lied „In allen meinen Taten“ (EG 368, 1+2+7)

 

Predigt

„Ich fürchte mich davor, meinen Weg alleine weiter zu gehen“, bekennt der Mann, der den Tod seiner Ehefrau betrauert…… „Ich fürchte mich davor, keinen Ausbildungsplatz zu bekommen“, erklärt die 15jährige Hauptschülerin nach der dreißigsten erfolglosen Bewerbung“…… „Ich fürchte mich davor, mein Leben bald nicht mehr eigenverantwortlich führen zu können“, sagt die 75jährige Frau, die nach einem Schlaganfall für die einfachsten häuslichen Verrichtungen Unterstützung braucht…… „Ich fürchte mich davor, eine für mich wichtige Entscheidung zu treffen“, meint der junge Mann, der es gewohnt ist, sich von anderen vorgeben zu lassen, was gut für ihn ist……
Wer sich fürchtet, liebe Schwestern und Brüder, fühlt sich wie gelähmt. Die notwendigen Schritte nach vorn bleiben aus, der Mut des Herzens schwindet. Wie oft kommt es vor, dass Menschen von einer Furcht beherrscht sind, die sie nicht mehr loslässt!
Was ist zu tun? Wie mit der Furcht umgehen, wenn sie sich in dir, in mir festsetzt? Wie ihr begegnen, wenn sie sich uns drohend in den Weg stellt und den Blick auf eine lohnenswerte Zukunft unmöglich macht? Dazu eine Geschichte aus dem siebten vorchristlichen Jahrhundert: Ein Teil des Volkes Israel wird nach Babylonien verschleppt. Es leidet darunter, fern der Heimat fremdbestimmt leben zu müssen. Und es leidet darunter, nichts von der hilfreichen Gegenwart Gottes zu spüren. Gott, so glaubt das Volk, hat uns verlassen. Er, der Himmel und Erde geschaffen hat, er, der unser Leben gewollt hat, er, der unsere Vorfahren aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat, er, der uns seine guten Gebote gegeben hat, er, der uns zu seinem Volk erwählt hat, ist nicht mehr bei uns. Verloren sind wir, am Ende mit unserer Kraft, mit unserem Glauben und mit unserem Leben.
Unter all diesen Verzweifelten ist ein Mann, der versucht, der um sich greifenden Angst den Kampf anzusagen. Er ergreift das Wort und sagt mit eindringlicher Stimme:
Du aber, Israel, mein Knecht, Jakob, den ich erwählt habe, du Spross Abrahams, meines Geliebten, den ich fest ergriffen habe von den Enden der Erde her und berufen von ihren Grenzen, zu dem ich sprach: Du sollst mein Knecht sein; ich erwähle dich und verwerfe dich nicht - fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.
Der hier spricht, ist ein Prophet. Und ein Prophet spricht im Namen Gottes. Er verkündet Gottes Willen. Er öffnet seinen Mund nicht, um für eigene Rettungsideen zu werben, sondern um dem lebendigen Gott Gehör zu verschaffen. Und so ist es Gott selbst, der da sagt: Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.
Stellen Sie sich doch bitte nur mal einen Augenblick vor, diese Worte würden Ihnen, ganz allein Ihnen gelten – welche Wirkung hätte das auf Sie? Fürchte dich nicht, ich bin mit dir …. ich stärke dich …. ich helfe dir …. ich halte dich…. Wer so angeredet wird, der spürt wohl vor allem eines: Ich bin nicht allein, ich bin geborgen, in allem, was mein Leben wie von Schreckgespenstern beherrscht zeigt, bin ich kein Verlorener, sondern ein Aufgehobener. Fürchte dich nicht, ich bin mit dir …. ich stärke dich …. ich helfe dir …. ich halte dich…. Gleichgültig, ob das ein Vater zu seinem Kind, eine Frau zu ihrem Mann oder die Pflegekraft zu einer Bewohnerin unseres Hauses sagt – immer darf bei diesem Zuspruch aufgeatmet werden, gibt es doch kaum etwas Wohltuenderes als wenn ein Mensch darauf vertrauen kann, einen Ort zu haben, wo er mit seinen ungelösten Fragen zu Hause ist.
Fürchte dich nicht, ich bin mit dir …. ich stärke dich …. ich helfe dir …. ich halte dich…. Das lässt nun auch Gott sein Volk in schwerer Zeit wissen. „Ihr, die ihr Jahre in der Gefangenschaft zugebracht habt, ihr, die ihr schon so lange Zeit getrennt seid von allem, was euch wichtig ist, ihr, die ihr anfangt, selbst an mir und meiner Liebe irre zu werden, ich sage euch: Ich bin und bleibe euer Gott, ich habe euch erwählt, und zu dieser Wahl stehe ich. Dass ich euch erwählt habe, bedeutet für euch zwar kein glückseliges Leben, aber es bedeutet, dass ich euch nie verlasse, dass ich mit euch die schlimmsten Situationen aushalte.“
Mit dieser Gewissheit konnte sich das Volk Israel nach Jahren der Knechtschaft auf den Weg in die Heimat machen. Im Vertrauen auf einen mitgehenden Gott wurde die Furcht vor einer aussichtslosen Zukunft immer kleiner. Mit jedem Schritt, den sie gingen, wuchs die Einsicht: Die Macht der Furcht zerbricht an der Macht der Liebe Gottes.
Ja, und nun sind da wir – im Ausmaß unserer Furcht kaum zu unterscheiden vom Volk Israel in Babylonien. Vielleicht verbindet uns mit jenem Volk nicht nur das Ausmaß der Furcht, sondern auch Gottes heilsame Zusage. Wie, wenn heute eine kraftlose Mutter von drei Kindern, ein schwermütiger Bewohner unseres Hauses oder ein seine Liebe zueinander verlierendes Ehepaar spürte, dass Gott ihre Wege mitgeht? Zum Glück gibt es keine Sonderrechte an Gottes Wegbegleitung. Fürchte dich nicht, ich bin mit dir …. ich stärke dich …. ich helfe dir …. ich halte dich…. Dieser Zuspruch gilt jedem Menschen, der glaubt, keinen Ausweg aus der Furcht zu finden. Dass alle, die wir auf dieser Welt leben, zu Gottes Erwählten gehören, dass alle, die wie verloren, seelenwund und ohne innere Heimat ihr Leben fristen, Gottes geliebtes Gegenüber sind, hat uns Jesus Christus eins um´s andere Mal wissen lassen. Fürchte dich nicht –  wie oft hat er dieses heilsame Prophetenwort selber in den Mund genommen, um Menschen aufzurichten. Fürchte dich nicht –  so spricht er Jairus an, als ihm der Tod seiner Tochter mitgeteilt wird. Fürchtet euch nicht -  so beruhigt er seine Jünger, als diese im Hinblick auf die sogenannten Zeichen der Endzeit Angst bekommen. Fürchte dich nicht – so spricht er Menschen an, die Schuld auf sich geladen haben. Fürchtet euch nicht –  so ruft er als Auferstandener den ihm begegnenden Frauen zu.
Jesus Christus will nichts weiter als sinnerfülltes Leben für jeden Menschen. Deswegen legt der Gott der Liebe sein 'Fürchte dich nicht' in den Mund Jesu. Zeitenübergreifend ist uns Menschen die Sehnsucht nach Annahme, nach Sinn und nach Lebensfreude gemein. Und diese Sehnsucht hat die Kraft, selbst dort noch etwas zu bewegen, wo die Macht der Gewohnheit Menschen in Furcht und Schicksalsgläubigkeit gefangen hält. Wie gut, dass wir es dem 'Fürchte dich nicht' Gottes zu verdanken haben, dass diese unsere Lebenssehnsucht nicht untergeht. Und wie gut, dass deswegen niemand fürchten muss, vergeblich zu leben.
Fürchte dich nicht. Die Welt als ganze und jede und jeder einzelne von uns hat diesen Zuspruch bitter nötig. Zwar bewahrt Gottes Treue zu den Menschen – wie wir vorhin schon sagten – nicht vor Erfahrungen tiefster Dunkelheit, aber in der Dunkelheit kann Gottes Hand ergriffen werden. Gottes Retten beginnt damit, dass wir seinem ´Ja´ zu uns vertrauen. Amen.

 

Lied „Von Gott will ich nicht lassen“ (EG 365, 4+5)

 

Fürbitten

Gott, unser Leben ist ein Weg, ein langer, schöner und schwerer Weg durch blühendes und durch ödes Land, nicht immer mit klarem Ziel und oft in die Irre weisend. Doch du gehst mit, bist Schirm und Schild. Darum geht uns die Hoffnung nicht aus, weder für uns, noch für die Menschen, die wir dir jetzt ans Herz legen.

 

Wir bitten dich für die, deren Gesichter die Spuren der Mühe des Lebens tragen, deren Ohren und Herzen nicht zugänglich sind für mutmachende Worte, deren langer Atem für das Leben sich ins Leere verströmt und deren Seelen sich verfinstert haben.

 

Wir bitten dich für alte Menschen, die einer schönen Vergangenheit nachtrauern, für alle Kinder, deren Zukunft wir in deine Hände legen, und für alle, die mit der Kraft ihrer Liebe zaghaft oder entschlossen aller Lebensbedrohung begegnen.

Wir bitten dich für die Menschen, die ihre tiefsten Wünsche weder vor sich noch vor anderen zugeben, zur Gestalt ihres Lebens nicht stehen können und sich auf der Suche nach sich selbst immer wieder verirren.

Wir bitten dich für alle, deren Tage so sehr in festgefügten Ordnungen ablaufen, dass sie die Chancen, Neues zu erfahren und zu entwerfen, nicht wahrnehmen.

Wir bitten dich für die Menschen, die als Opfer von Vertreibung, Hunger, Terror und Krieg stumm leiden oder aufbegehrend Gerechtigkeit fordern.

Gott, du schützt und segnest uns. Darauf lass´ uns vertrauen an diesem Tag und an allen Tagen unseres Lebens. Aus dem Möglichen, das wir tun können, aber auch aus unseren Grenzen willst du das Unmögliche schaffen: dass wir gern auf dieser Erde und mit anderen Menschen leben und mit Freude und Hingabe unseren Alltag gestalten.

 

Vaterunser

Lied „Alles ist an Gottes Segen“ (EG 352, 1+2+4)

Segen

Musikalisches Nachspiel

 

Bildnachweis: © Jürgen Schnotz 


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