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Trauerrituale

Geht nicht auf die andere Straßenseite!

Appell aus einem Nachruf

Die Begleitung der letzten Lebensphase endet nicht mit dem Tod des gepflegten Menschen. Auch die jetzt folgende Phase des Abschiednehmens lässt sich durch Rituale bewusst und struktursensibel gestalten.

Die Gestaltung des Aufbahrungsraumes

  • Die Gestaltung des Zimmers, in dem ein Mensch verstarb, war in früheren Zeiten geprägt von abergläubischen Überlieferungen: Spiegel wurden mit Tüchern verhängt, damit die Seele des Verstorbenen sich nicht wiedererkennen sollte. Im Sterbezimmer wurde das Fenster geöffnet, damit die Seele entweichen konnte. Der Leichnam musste mit dem Füßen voraus aus dem Haus getragen werden, damit der Blick des Verstorbenen nicht auf den Hauseingang fiel und er zurückkam, um zu spuken.
  • Heute weiß man, dass Verstorbene bis zu 36 Stunden dort verbleiben können, wo sie gestorben sind. Es spricht vieles dafür, nicht nur den Toten „zu bereiten“ (Entfernung von Infusionen und Kathetern, waschen, neu einkleiden), sondern auch den Ort der „Aufbahrung“ zu gestalten mit einem Foto des Toten, einem Blumenstrauß, einer Kerze, einem Kreuz oder einer Ikone. Die Totenwache kann am Totenbett, aber auch in Aufbahrungsräumen und Friedhöfen erfolgen. Es ist ein Ritual, das Ehrerbietung ausdrückt, aber auch Zeit für eigene intensive Trauer gibt.

Der Valetsegen

  • Der Valetsegen (lat. valet= Es möge (dir) gut gehen!) wird dem Verstorbenen zugesprochen (EG 830) und ist die „Befehlung/ Übergabe“ des Verstorbenen in Gottes Hände. Es mag eine Entlastung sein, zum Ausdruck zu bringen: Die Grenzen unserer Hilfe sind erreicht. Ein anderer, Gott selbst, hilft nun weiter.

Die Aussegnungsfeier

  • Die Aussegnung ermöglicht einen stimmigen Abschied, bei dem Angehörige, Heimbewohner und Mitarbeitende den Verstorbenen bewusst vom letzten Lebensort verabschieden. Bei nichtreligiösen Menschen kann man dies ein „erstes Totengedenken“ nennen, bei dem man sich gegenseitig noch einmal an herausragende Eigenschaften des Verstorbenen erinnert, sich bewusst wird, was man verloren, aber auch bekommen hat.

Das Glockenläuten

  • Das Läuten der Glocken zu einer gewissen Abendstunde bekundet den Tod eines Gemeindegliedes und vergewissert die Angehörigen der Anteilnahme der Mitmenschen.

Die Ankunft des Sarges auf dem Friedhof

  • Früher begleitete ein Trauerzug den Sarg vom Trauerhaus auf den Friedhof. In manchen Gemeinden treffen sich die engsten Angehörigen mit dem Pfarrer, um den Sarg auf dem Friedhof zu empfangen. Der Pfarrer schließt dieses Ritual mit einem Gebet und dem Segen im Aufbahrungsraum ab.

Vor und nach der Beerdigung

Die Tradition kennt viele Rituale, die helfen, die erste Zeit der Trauer zu gestalten:

  • Persönliche Karten an nahe stehende Menschen
  • Abschied am Sarg vor der Trauerfeier
  • Trauerfeier (mit Kondolenzbuch oder persönlichem Kondolieren am Grab)
  • Grablegung oder Aussegnung zur Einäscherung
  • „Leichenschmaus“
  • Abkündigung des verstorbenen Menschen im darauf folgenden Sonntagsgottesdienst der Gemeinde

Salbungsgottesdienste für Trauernde In römisch-katholischer Tradition stehen folgende Rituale:

  • öffentlich ausliegendes Totenbuch
  • Totenbildchen
  • Grabgestaltung
  • Sechswochenamt
  • Jahresgedächtnis
  • Gedenkgottesdienste

Zu diesen traditionellen Ritualen lassen sich individuelle hinzudenken, und zwar während der Bestattung

  • Kerzengang während der Bestattung
  • Tuchgestaltung und Tuchlegung, bevor der Sarg die Erde berührt
  • Edelsteine bringen Hochachtung zum Ausdruck

und in der Trauerzeit:

  • Die Kartengrüße einer trauernden Mutter für die Mittrauernden
  • Ein Nachruf in Form eines Appells: Geht nicht auf die andere Straßenseite
  • Das Anlegen eines Erinnerungsbuches an den/die Verstorbene mit Briefen, Bildern, Fotos und den schriftlichen Trauerbezeugungen

Martin Enz, in: Evangelische Landeskirche in Württemberg / Diakonisches Werk der evangelischen Kirche in Württemberg e.V. (Hrsg.) V.i.S.d.P. Dr. Antje Fetzer, Ich will euch tragen. Handbuch, Arbeitshilfe für die Seelsorge in der Altenpflege, 2006, S. 110-115.

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