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Krankensalbung

Segen empfangen – Handauflegen und Salben

„Was Jesus Christus uns durch sein Wort gesagt hat, das will er sichtbar bestätigen, indem er uns an seinen Tisch einlädt …“ – so lautet eine Hinführung zur Abendmahlfeier.

Sowohl für religiöse als auch für unsere alltägliche Erfahrung gilt: Unsere Worte können durch Zeichen bestärkt werden und so als sinnliche Erfahrung tief in uns eindringen durch Sehen, Schmecken, Spüren, Berührt werden. Wenn wir uns z.B. gegenseitig grüßen, dann geschieht es nicht allein durch Sprache, sondern auch mit begleitenden Gesten: mit Blickkontakt, einem Handschlag, einer Umarmung oder einem Kuss.

Im Sinne des „Priestertums aller Gläubigen“ können und dürfen Christen sich gegenseitig segnen.

Brigitte Straßner

Zu den uralten jüdisch-christlichen Gesten, die Gottes segnende Zuwendung ausdrücken, gehören Handauflegung und Salbung. Die Segensgeste der Handauflegung ist uns Protestanten durch Taufe, Konfirmation und Trauung sicher die vertrautere Form. Im Sinne des „Priestertums aller Gläubigen“ können und dürfen Christen sich gegenseitig segnen. Vielen Eltern ist diese Geste im Blick auf ihre Kinder auch heute noch wichtig.

Diese mit Berührung der Hände verbundene Segnung verdichtet sich im Ritual der Salbung. Öl diente im Judentum zur Reinigung und Aussonderung der kultischen Geräte. Es war darüber hinaus aber auch ein Symbol, dass Gott durch seinen Geist in Menschen wirkt (2. Kor 1,21). So wurden Könige und Priester gesalbt, um sie zu kräftigen und zu schützen. Dieses Zeichen der Salbung (am ganzen Körper!) gehörte in der Alten Kirche zur Taufhandlung, als Zeichen des Schutzes und der Zugehörigkeit zu Gott.

Öl - Krankensalbung - Medizin

Öl diente ferner zu medizinischen Zwecken der Heilung. Wenn in Mk 6,13 berichtet wird, dass Jesus die Jünger aussendet, um „böse Geister auszutreiben, viele Kranke mit Öl zu salben und sie gesund zu machen“, so steht dahinter ein damals übliches Heilmittel, das in der Urchristenheit Gottes heilvolle Zuwendung, besonders zu den Kranken, symbolisierte und in der katholischen Tradition bis heute im Sakrament der Krankensalbung Ausdruck findet (Jak 5,14). Was später im Mittelalter ausschließlich von Priestern ausgeführt werden durfte, war ursprünglich ein Ritus, der Laien in eigener Not und in der Not ihrer Angehörigen erlaubt war und von dem man sich Heilung an Körper und Seele erhoffte.

Während in unserer Kirche das Bewusstsein für die Salbung lange Zeit verschüttet war und die Konzentration auf das Wort vorherrschte, hat die strenge Bindung an das Priesteramt in der katholischen Tradition dafür gesorgt, dass dieser Ritus als Sakrament erhalten blieb. Wir beginnen in unserer Zeit, diese Rituale wieder zu entdecken und sie mit neuem Leben und Sinn zu erfüllen, vor allem im Bereich der Krankenseelsorge und Diakonie. Damit knüpfen wir an eine urkirchliche Praxis an, die helfen kann, dass Menschen in den vielfältigen Lebenssituationen Gottes heilende Zuwendung erfahren.

Andere Form der Zuwendung

Gerade für Personen, die auf ständige Hilfe bei den alltäglichen Verrichtungen angewiesen sind, kann es wichtig sein wahrzunehmen, dass sie und ihr Körper noch eine andere Form der Zuwendung nötig haben. Dabei kann eine Salbung als Zuwendung zum einzelnen Menschen oder gemeinschaftlich mit anderen zusammen erlebt werden.

Auch für (pflegende) Angehörige könnte es eine Form sein, Stärkung und Gemeinschaft zu erfahren, miteinander und mit Gott. Denn Menschen, die sich durch körperliche Einschränkung und die Nähe zum Tod isoliert fühlen und vielleicht durch Worte kaum mehr erreichbar sind, spüren: „Ich bin nicht allein!“, „Ich bin Gott wichtig!“

Ich bin nicht allein - Ich bin Gott wichtig.

Erfahrung

Die Handlung selber erfordert keine komplizierten Erläuterungen, denn sie erklärt sich weitgehend aus sich heraus. Sie geschieht am besten in einem geschützten vertrauensvollen Raum. Je nach Aufnahmefähigkeit der betreffenden Person kann sie durch Musik, einen vertrauten Psalm, ein Gebet oder einen Liedvers eingeleitet werden.

Der mit Öl benetzte Finger zeichnet jeweils ein Kreuz auf die Stirn und in die beiden Handflächen, etwa mit den Worten:

Gott, der dir das Leben geschenkt hat, segne dich! Jesus Christus, der bei dir ist in den Höhen und Tiefen deines Lebens, segne dich! Der Heilige Geist tröste dich und gebe dir Kraft! Amen.

Tipp: Salböl – Neutrales Körperöl in der Apotheke kaufen und mit Duftölen (z.B. Rosenöl oder Bergamottöl) „verfeinern“

 

Brigitte Straßner, in: Evangelische Landeskirche in Württemberg / Diakonisches Werk der evangelischen Kirche in Württemberg e.V. (Hrsg.) V.i.S.d.P. Dr. Antje Fetzer, Ich will euch tragen. Handbuch, Arbeitshilfe für die Seelsorge in der Altenpflege, 2006, S. 88-89.

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