Andachten - - Erstellt von Diakonin Ruth Dittus

Alles neu macht der Mai

Es stimmt ja, in den Gärten und Parks grünt und blüht es, dass es eine Lust ist. Tulpen, Narzissen, Gänseblümchen, Stiefmütterchen, Vergissmeinnicht, Forsythien, Pfingstrosen. Rot, gelb, blau – eine wahre Augenweide nach grauem Winter. Wir freuen uns über das frische Grün im Wald, die blühenden Blumen, das aufkeimende Leben in der Natur.

Lied: „Freuet euch der schönen Erde“

Miteinander lassen Sie uns jetzt beten mit Worten nach Psalm 8:

(Ich beginne und die Frauen sprechen jeweils den ersten eingerückten Text,

die Männer den zweiten)

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen.

           I Wir freuen uns, dass du da bist. Wir loben dich aus ganzem Herzen.

         II  Große und Kleine staunen und sagen: Gott, du bist gut.

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen.

          I Der Mond und die Sterne, der ganze Himmel kommt aus deiner Hand

         II Ein Wunder ist der Mensch. Er kann denken und sein Leben gestalten.

             Du denkst an ihn und begleitest seinen Weg.

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen.

           I Schaut euch die Welt an: die Vögel in den Bäumen, die Schafe auf der
             Weide, die Fische im Wasser. Es ist schön, auf der Welt zu sein.

         II Es ist zum Staunen: die Bäume bringen Frucht, die Pflanzen bringen

            Nahrung, der Boden ist voller Schätze. Wir danken dir für diesen Reichtum.

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen.

Ehr sei dem Vater...
Liebe Zuhörerinnen, liebe Zuhörer,     


der Mai ist gerade mal ein paar Tage alt. Viele Volkslieder besingen den Mai.

„Komm lieber Mai und mache“ , „Grüß Gott du schöner Maien“ oder dieses:

Posaunenchor intoniert „Alles neu macht der Mai“

Haben Sie die Melodie erkannt?

Wie oft mögen Sie dieses Lied schon gesungen haben, ohne sich groß Gedanken zu machen, ob der Mai wirklich alles neu machen kann.

Es stimmt ja, in den Gärten und Parks grünt und blüht es, dass es eine Lust ist.

Tulpen, Narzissen, Gänseblümchen, Stiefmütterchen, Vergissmeinnicht, Forsythien, Pfingstrosen. Rot, gelb, blau – eine wahre Augenweide nach grauem Winter.

Wir freuen uns über das frische Grün im Wald, die blühenden Blumen,

das aufkeimende Leben in der Natur. Was wäre die Welt auch ohne Blumen?

Aber: Alles neu macht der Mai – stimmt das? Kann das der Mai, alles neu machen?

Sie und ich – wir wissen es, dass nicht alles neu wird, nicht alles neu werden kann.

Wir können z. B. unser gelebtes Leben nicht zurückdrehen. Es gehört zu uns.

Wir können nichts ungeschehen machen. Alles begleitet uns, ist gespeichert, wie auf einem Film.

Alles neu macht der Mai – es stimmt ja, dass unsere Seele sich erfreut an der Natur, an den bunten Farben, der frischen Luft, am Gezwitscher der Vögel, am Gesumme der Bienen und besonders berührt es uns, wenn ein Schmetterling sich in unserer Nähe niederlässt. Das alles kann Frühlingsgefühle wecken, unsere Seele jubeln lassen. Unser Alltag wird dadurch heller und bunter.

Aber – das wissen wir auch: Dass die schönste Blütenpracht vergänglich ist.

Es ist ein immerwährendes Werden und Vergehen.

*** Zwischenmusik***

„Alles neu macht der Mai, macht die Seele frisch und frei“


Liebe Zuhörerinnen –

es gibt einen Satz: „Die Sonne bringt es an den Tag“

* Wenn wir uns in der Wohnung, im Haus umsehen, sehen wir,

   dass die Fenster schmutzig sind,

   dass die Gardinen gewaschen werden müssten,

   die Schmutzecken stören uns auf einmal und

   die Schränke verlangen danach gelüftet, gereinigt und in Ordnung gebracht
   zu werden

Auch das gehört zum Frühling:

* der unausweichliche Drang, das Haus,

   die Wohnung zu inspizieren und auf Vordermann zu bringen?

Auch wenn wir heute keinen großen Frühjahrsputz mehr brauchen, weil wir nicht mehr mit Holz und Kohle heizen – den Frühling ins Haus zu lassen, das bleibt.

Es stimmt ja, gewaschen, geputzt und aufgeräumt riecht es für ein paar Stunden, vielleicht auch für einen Tag auch frisch. Und unsere Seele freut sich über das getane Werk.

Aber, auch das wissen wir,  dieser Duft verliert sich nach einer Weile und – wie von Geisterhand kommt die Unordnung, der Staub, der Schmutz wieder – bis zum nächsten Frühling.

Da stellt sich mir die Frage: Was ist es, das unsere Seele auf längere Zeit frisch und frei macht?

Können wir im Frühling auch noch anderes tun für unsere Seele?

Müsste unsere Seelenkammer nicht auch ausgeräumt, geputzt werden, müsste sie nicht vom alltäglichen Ballast befreit werden?

Was kann unsere Seele wirklich befreien?

Ich habe natürlich auch in der Bibel nachgesehen und bin fündig geworden.

Paulus schreibt an die Korinther:

„Ist somit jemand in Christus, so ist er ein neues Geschöpf. Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden.

Also in Christus, nahe bei Jesus sein und es wird alles neu. Beim skeptischen Hinschauen frage ich mich: Was ist denn das Neue? Wo sich doch Christen meist nicht anders verhalten!

Vielleicht müssten wir ein wenig bescheidener werden und sagen: Nicht alles radikal auf einmal neu machen, sondern immer wieder neu anfangen.

Neu anfangen und einander versuchen zu verstehen.

Neu anfangen und  miteinander reden.

Neu anfangen und den ersten Schritt tun.

Neu anfangen und einander verzeihen.

Vielleicht kann uns der Mai auch anstiften


* zu freundlichen, helfenden und tröstenden Worten.

* einander tatkräftig zur Seite zu stehen.

* zu freundschaftlicher und liebevoller Zuwendung.

Ich glaube, das macht unser Leben auf jeden Fall hell und unsere Seele kann befreit aufatmen.

„Komm heraus, aus dem Haus, winde einen Strauß“ so endet der Liedvers.


Also: Komm doch heraus aus deinem Haus, komm heraus aus der Nörgel- und Schmollecke. Lass das Vergangene hinter dir, wende dich der Zukunft zu. Schau an, was Gott wachsen, blühen und gedeihen lässt! Freue dich und genieße alles dankbar. In einem altmexikanischen Hymnus ist das wundervoll ausgedrückt:

„O Gott der Welt, dir will ich singen. Alles blüht um mich her und die Welt ist gesegnet und voll Freude. Wie glänzt jetzt der Tau, wie jubeln all die bunten Vögel, ihr Gesang ertönt überall. Alle singen dir zur Ehre. Du allein bist die Quelle des Gesanges, denn das Lied wurde im Himmel geboren. Mein Herz hört die Stimmen und ich will alle dunklen Schleier der Vergangenheit ablegen. Gott, auch mein Seufzen soll zu Dir aufsteigen. Gott, ich will nicht weinen. Ich weiß, dass alles auf dieser Erde enden muss, auch mein Leben hier. Lass mich singen zu dir, damit du mich freundlich ansiehst, du – durch den ich lebe!“ Ich wünsche Ihnen und mir, dass uns das gelingt: miteinander neu beginnen können, und daran zu glauben, dass es Gott ist, der unsere Herzen dazu bewegt.

Amen

Miteinander singen wie jetzt die drei Verse aus dem Lied „Schmückt das Fest mit Maien“ -

Gebet:
Guter Gott – danke, dass Du es bist, der Neues schafft, der neue Verbindungen ermöglicht, alte Geschichten vergessen lässt. Gott, wir bitten dich für die Welt in der wir leben und für die wir verantwortlich sind, dass wir sie nicht mutwillig zerstören, sondern unseren Lebensraum bewahren. Lass uns achtsam auf unsere Seele hören und achtsam miteinander umgehen. Gott, wir bitten dich für alle Menschen, denen die Schöpfung fremd geworden ist, die nicht zu sich selbst kommen im Getöse der Welt, die keinen ruhigen Wald, kein Stück freier Natur erleben können. Öffne ihren Blick für die manchmal unscheinbaren, kleinen Dinge am Wegesrand. Gott, wir bitten dich für die Menschen, deren Seele unfrei ist, für die Zweifelnden, für die Kranken und Hilflosen. Gott, wo du bist, verändert sich die Welt. Begleite du uns, damit wir unsere Freiräume erkennen. Schenke uns Weisheit und Mut diese zu nützen für uns und für unsere Nächsten.

Amen

Vater unser

Lied:
„Schönster Herr Jesu“ Vers 5

Alle die Schönheit des Himmels und der Erden ist gefasst in dir allein.
Nichts soll mir werden lieber auf Erden als du, liebster Jesus mein.

Segen

Gott, Ursprung und Ziel allen Lebens segne dich,
deine Gedanken und dein Tun,
dass dir gelingen möge, was du dir vorgenommen hast,
und behüte dich vor falschen Schritten,
dass du zur rechten Zeit sagen und tun kannst,
was richtig für dich ist.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir
und erhelle dir Zeiten innerer Unsicherheit,
damit du Klarheit gewinnst über das,
was du wirklich willst.
Und sei dir gnädig, indem sich auch deine Irrtümer zum Guten
hin verwandeln.
Gott erhebe sein Angesicht auf dich.
Und begabe dich mit Mut und Fantasie,
allen Enttäuschungen zum Trotz wieder Neues zu wagen; und gebe dir Frieden in der Erfüllung deiner Träume und deiner Zeit
So segne dich Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Dreifach Amen

Nachspiel