
Warum brauchen alte Menschen eine spezielle Bibel?
„Es wird weniger“, spüren viele alte Menschen. Und meinen damit nachlassende Kräfte und geringer werdende Gestaltungsmöglichkeiten. Viele unserer Bewohner sind dementiell erkrankt. Worte und Geschichten aus der Bibel gehören für sie zum vertrauten Gut, das sie seit ihrer Kindheit begleitet. Darauf wollen und sollen sie nicht verzichten. Darüber hinaus finden sich in der Bibel tragfähige Worte von Trost und Geborgenheit, die alten Menschen – auch wenn sie weniger religiös geprägt sind – gut tun und hilfreich sind. Manche alte Menschen sind nicht unbedingt in den biblischen Texten beheimatet, aber mit zunehmendem Alter bekommen solche Texte für sie einen größere Aktualität und Bedeutung. Auf diesem Hintergrund macht eine Bibelausgabe speziell für ältere Menschen Sinn und erfüllt einen wichtigen Zweck. Der Großdruck kommt der abnehmenden Sehkraft entgegen. Mit einer Auswahlbibel wird – aus der großen und auch unübersichtlichen Fülle der biblischen Überlieferung – ein kleiner Teil dargeboten, ein Kanon von Texten, die für alte Menschen besonders hilfreich sind.
Wie ist mit der Seniorenbibel im alltäglichen Gebrauch umzugehen?
Die Verwendung der Bibel für Ältere wird unterschiedlich sein: Von einem Teil der Bewohnerinnen und Bewohner wird die Bibel selbst gelesen werden können. Andere werden bei der Lektüre auf Hilfe angewiesen sein. Sie brauchen Menschen, die ihnen das Buch in die Hand geben, es mit ihnen anschauen und gegebenenfalls die Texte vorlesen. Begleitung brauchen sie auch für die Liedtexte und Bilder: Erst im erzählenden Betrachten wird das Bild lebendig. Und erst im Hören der Lieder, gelesen, vorgesungen oder auch einem Instrument vorgespielt, lässt sich einstimmen in die vertrauten und altbekannten Melodien eines Chorals.
Was steckt hinter der Idee eines Begleitheftes zu dieser Bibelausgabe?
Parallel zu der Bibel für alte Menschen ist eine Handreichung entstanden. Mitarbeitende, Angehörige, Besuchsdienste, kurz: alle, die alte Menschen begleiten, bekommen mit diesem Heft eine Orientierungshilfe in die Hand, wie die Bibel in der Begegnung mit alten Menschen lebendig werden kann. Unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten werden aufgezeigt, es folgen Beispiele der Umsetzung in Unterricht, Seelsorge, im Pflegealltag, Besuchsdienst und in der Sterbebegleitung. Den Abschluss bildet eine Materialsammlung von Andachten und Meditationen zu einzelnen Texten und Bildern der Auswahlbibel. Im Schlussteil finden sich eine Reihe von Übersichten: welche Texte, Lieder und Bilder passen zum Kirchenjahr, welche zu persönlichen Festen (z.B. Geburtstage), welche zu Befindlichkeiten (wie Schmerzen, Einsamkeit, Trauer, Freude, Dankbarkeit), was ist zur Begleitung für Sterbende hilfreich, was eignet sich in besonderer Weise für dementiell Erkrankte.
Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es für die Bibel?
Auf vielen unserer Wohnbereiche steht schon eine „Schatztruhe“ mit Erlesenem. Darin sollte die Bibel für alte Menschen auf keinen Fall fehlen. Für den Einsatz in der Seelsorge und bei Gottesdiensten und Andachten ist die Bibel geeignet: die Texte, Bilder und Lieder sind eine „Fundgrube“ für Vorbereitung und Gestaltung, auch im Blick auf besondere Befindlichkeiten. So kann in der Begleitung von Menschen, die unter Angst leiden, das Bild von der „Sturmstillung“ gemeinsam betrachtet oder ein entsprechendes Lied (z.B. „Befiehl du deine Wege“) gesungen werden. In der Hospiz- und Sitzwachenarbeit spielen Grundthemen des Lebens eine große Rolle. Im Rahmen der Beschäftigungstherapie und Aktivierung bietet die Bibel ebenfalls Einsatzmöglichkeiten. Man kann die gemeinsame Runde regelmäßig mit „unserer Bibel“ beginnen lassen, ein Lied singen oder am Ende damit schließen. Warum nicht die gemeinsame Teamrunde mit einer der vorliegenden Bildmeditationen beginnen?
Schließlich: Die Bibel gehört in die Hand von Besuchsdiensten, von Angehörigen. Es kann entlastend sein, nicht immer aus sich selbst Gesprächsstoff schöpfen zu müssen, sondern sich anlehnen zu können an altvertraute und bekannte Texte, Lieder, Gebete, Bilder.
Reiner Zeyher / Dr. Thomas Mäule
Die Bibel – als Wort…
• der Hilfe, das aus der Langeweile des Alltags zu neuem Aufbruch ermutigt
• der Freude, das aus einem trübsinnigen Zeitgenossen einen munteren Mitmenschen machen kann
• des Friedens, von dem Veränderungen ausgehen, angefangen vom Klima in einem Unternehmen bis hin zum Umgang miteinander auf der Pflegestation
• der Freiheit, das von allen Verkrampfungen zu einem freundlichen Miteinander befreit
• der Erhellung, das denen Schritte ermöglicht, die nur eine dunkle Zukunft vor sich sehen
• des Trostes, an dem sich die entlang tasten können, vor denen sich Schwermut wie ein Abgrund auftut
• der Liebe, aus der heraus immer wieder neue Anfänge möglich sind.
Mehr dazu unter: www.getroestet-und-geborgen.de