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Materialbörse

zum Thema "Jahreszeiten"

Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.

Eduard Mörike

 

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein,
gib ihnen noch zwei sudlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke

Verklärter Herbst

Gewaltig endet so das
Jahr
Mit goldnem Wein
und Frucht der
Gärten.
Rund schweigen
Wälder wunderbar
Und sind des
Einsamen Gefährten.

Da sagt der
Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang
und leise
Gebt noch zum Ende
frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt
auf der Reise.

Es ist der Liebe milde
Zeit
Im Kahn den blauen
Fluss hinunter
Wie schön sich Bild an
Bildchen reiht
Das geht in Ruh und
Schweigen unter.

Georg Trakl

Weihnachten

Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle,
mild, wie Wälderduft, die Weihnachtszeit,
und ein schlichtes Glück streut auf die Schwelle
schöne Blumen der Vergangenheit.

Hand schmiegt sich an Hand im engen Kreise,
und das alte Lied von Gott und Christ
bebt durch Seelen und verkündet leise,
dass die kleinste Welt die größte ist.

Joachim Ringelnatz (1883 - 1934)

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