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Materialbörse

Für Heimzeitungen

Advents- und Weihnachtszeit

Raum in der Herberge?
von Diakon Rainer Groeschel, Markgröningen

Die meisten Hunde bei uns leben heutzutage nicht mehr im Freien sondern in Wohnungen und Häusern. Da haben sie ihr festes Plätzchen, manch einer hat sogar zwei Plätze, einen im Wohnzimmer und einen im Esszimmer. Und zwischen denen wandert er hin und her je nachdem, welcher ihm gerade mehr zusagt oder wo ihn die Mücke nicht mehr ärgert. Manchmal denke ich, ach ich wäre auch gerne Hund in so einer Umgebung. Da könnte ich herumliegen, wo es mir gerade passt, lasse mich streicheln und verwöhnen, bekomme regelmäßig meine Nahrung und gehe Gassi, wenn ich Lust habe und das Wetter angenehm ist.

Tja, ein Hund müsste man sein … Aber reicht es nur einen Platz zu haben, wo man sich ausruhen kann oder lebt. Muss da nicht mehr sein, damit man sich auch wohl fühlt - eben wie ein Familienhund? Fühlen Sie sich wohl hier … (Name der Einrichtung) in den Räumen, in denen Sie leben? Werden Sie geachtet und beachtet und mit all Ihren Bedürfnissen und Wünschen ernst genommen? Haben Sie hier mehr als ein Dach über dem Kopf und regelmäßige Mahlzeiten?

Ich hoffe und wünsche Ihnen, dass Ihr Leben hier nicht dem „Raum einer Herberge“ gleicht. Der Begriff stammt aus der Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas. Wäre sie heute verfasst worden, würde man wohl von einem Hotelzimmer sprechen. Wir wissen: im Hotel lebt man in der Regel nicht auf Dauer. Und trotz allem Komfort sind da Einschränkungen im Hotel; es ist eben anders als daheim. Im Hotel wollen die wenigsten auf Dauer leben.

In der Weihnachtsgeschichte geht es auch um einen möglichen Hotel-aufenthalt. Der Zimmermann Josef aus Galiläa ist tagelang unterwegs mit seiner hochschwangeren Partnerin Maria. In Bethlehem suchen sie müde und kurz vor der Geburt ihres Kindes ein Hotelzimmer und bekommen eine (oder mehrere) Absagen: Es gibt keinen Raum in der Herberge. Kein fließend warmes Wasser, keine Dusche, kein bequemes Bett, kein Zimmerservice, kein Arztnotruf. Und so ziehen sie weiter und finden wohl außerhalb der Stadt Bethlehem ein Dach über dem Kopf: in einem Stall, vielleicht in einer Höhle. „Und Maria gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“ (Lukas 2 Vers 7)

Zum Glück war da kein Raum in der Herberge. Was wäre sonst aus der Weihnachtsgeschichte geworden? Welche Hektik und Betriebsamkeit wäre wohl in der Zivilisation, im Hotelbetrieb aufgekommen? Wie wäre Jesus vorgeführt worden, welche Presse- und Fotoagenturen hätten um das Exklusivrecht der Vermarktung der Geburt geboten? Wer wäre in der Gästeliste ganz vorne gestanden, wo und wie wäre der Geschenketisch präsentiert worden? Welchen Umsatz hätte das Hotel machen können, überhaupt was für einen Nutzen hätte der Tourismus und Fremdenverkehr aus dieser Geburt ziehen können? …

Sie merken, das wäre nicht die Weihnachtsgeschichte wie wir sie kennen. Das wäre die Geschichte des Kommerzes, der Klatschpresse, der Mächtigen und Reichen. Zum Glück war da kein Raum in der Herberge und Jesus kam so ganz anders in diese unsere Welt. Bescheiden, einfach, arm – aber doch glücklich. Und die Menschen, die ihn sehen und ihm etwas schenken wollten, mussten sich nicht in einer Warteschlange anstellen. Sie wurden ohne Pass- und Personenkontrolle vorgelassen, ohne Unterschied der gesellschaftlichen Stellung. Da im Stall war der Lebens-Raum, nicht in der Herberge. Da war Wärme, Liebe, Licht und Geborgenheit. Dort erlebten Menschen etwas Beson-deres in ihrem Alltag: Gott schreibt seine Geschichte für uns ganz normale Menschen. Wir dürfen uns mitfreuen und mitfeiern. Wir dürfen mitsingen und mit den himmlischen Chören jubeln:

Ehre sei Gott in der Höhe
und Friede auf Erden
bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Möge der Lebens-Raum der Geburtsgeschichte Jesu auch hier in unserem Haus uns eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit bescheren.

 

Passionszeit

Brauchtum in der Passionszeit – Das Hungertuch
von Pfarrer Matthias Hannig, Nehren


Das Hungertuch (auch Passionstuch oder Schmachtlappen) verhüllt während der Fastenzeit in katholischen Kirchen die bildlichen Darstellungen Jesu. Es entstand aus dem jüdischen Tempelvorhang, der im Neuen Testament im Zusammenhang mit dem Kreuzestod Jesu mehrfach erwähnt wird. Dieses Tuch trennt die Gemeinde optisch vom Altarraum und erlaubt der Gemeinde den Gottesdienst lediglich hörend zu verfolgen. Zur körperlichen Buße des Fastens tritt eine seelische. Die Redewendung „am Hungertuch nagen“ bezieht sich nicht nur auf materielle Armut, sondern auch auf die als Bedrängnis empfundene Gottferne.
Bereits um das Jahr 1000 wird der Brauch des Hungertuchs erwähnt. Bis ins 12. Jahrhundert blieb dieses ein rein symbolisches Objekt aus einfarbigem Stoff, der nur im Einzelfall durch ornamentale Stickerei verziert wurde. Danach wurde das Hungertuch auch als Form der Sakralkunst entdeckt. Die Schwerpunkte der künstlerischen Entwicklung waren einerseits die Alpenregion, vornehmlich Kärnten und Tirol, andererseits in Norddeutschland Westfalen und Niedersachsen. Einheitlich blieb der Motivkreis der Darstellungen, die im Sinne einer Bilderbibel Szenen aus dem Leben Jesu Christi zeigten, im weiteren Verlauf die gesamte Heilsgeschichte, lokal beschränkt auch Szenen aus dem Leben der Heiligen.
Das Hungertuch wurde - mit wenigen Ausnahmen - als religiöses Brauchtum bis ins 18. Jahrhundert nur in katholischen Gegenden beibehalten, da sich Luther gegen diese Tradition der Sakralkunst als "Gaukelwerk" aussprach. Obwohl diese Tradition einst weit über die ursprünglichen Grenzen hinausreichte, ist es doch nach der Reformation nur in den Entstehungsgebieten erhalten geblieben; vereinzelt existieren dort noch Kirchen, die diese Tradition pflegen.
Mit seinen Maßen von zehn mal zwölf Metern und einem Gewicht von mehr als einer Tonne gilt das Hungertuch des Freiburger Münsters als das größte erhaltene Hungertuch überhaupt.
Das Hungertuch ist heute durch die Fastenaktion des katholischen Hilfswerks MISEREOR wieder in aller Munde. Jedes Jahr verwenden Gemeinden und Schulen das Hungertuch, um sich in der Fastenzeit und darüber hinaus mit drängenden Themen der sozialen Gerechtigkeit auseinanderzusetzen.

 

Ostergrüße - Samenkorn

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

während ich diese Zeilen schreibe scheint draußen die Sonne – der Frühling kündigt sich an: zartes Grün zeigt sich an Bäumen und Sträuchern, erste Frühlingsblüher strecken ihre Fühler aus der Erde. Bald ist Ostern.
Mir ist ein Text von Reiner Kunze, der mich sehr berührt hat, eingefallen:


„Ich halte ein Samenkorn in der Hand. Mein einziges Korn.
Sie sagen, ich soll das Korn in die Erde legen. Ich muss mein Korn schützen, mein einziges Korn.
Ich habe nie erlebt, dass es Frühling gibt.
Sie sagen, es wächst neues Leben aus dem Korn. Ich verliere mein Korn, mein einziges Korn.
Ich habe nie erlebt, dass es Frühling gibt.
Sie sagen, ich muss mein Korn riskieren, mein einziges Korn.
Aber ich habe nie Frühling erlebt.
Mein Liebstes sagt: Es gibt Frühling! Ich lege mein Korn in die Erde.“
(Quelle unbekannt)

Da ist jemand, der sein einziges Korn, sein Leben, in die Erde legen soll. Was für eine Entscheidung!  Dieses Samenkorn, das einzige was noch verblieben ist, soll er loslassen? Verständlicherweise wird dieses ängstlich geschützt und  festgehalten, zumal wenn die Erfahrung fehlt, dass das Korn im Frühling keimt und neues Leben hervorbringt.
Haben Sie nicht auch manchmal die Erfahrung gemacht, dass es keine Hoffnung, keine Zuversicht auf Wachstum, keine Anzeichen auf neues Leben mehr gibt? Wie oft wünschen wir uns, dass Hoffnung keimt. Und dann die Realität: Immer wieder neue Hiobsbotschaften, Krankheiten, Schmerzen, Einsamkeit, Tod.
Trotzdem steht die Aufforderung: Leg dein einziges Korn in die Erde, riskiere etwas, sonst ist auch noch dieses einzige Korn wertlos. Denn aus einem einzigen Korn, in die Erde gelegt, wächst Frucht und sättigt im nächsten Jahr.
Das Weizenkorn ist dazu bestimmt in die Erde gelegt zu werden. Dazu wird es alleingestellt und muss absterben, damit Neues daraus werden kann.
Das ist ein Naturgesetz.
Gegen dieses Naturgesetz zu handeln heißt, nichts ernten zu können.
Altes muss absterben, damit Neues werden kann.
An diesem einzigen Samenkorn, an meinem einzigen Leben halte ich fest bis – ja bis jemand sagt: Es gibt Frühling! Es gibt neues Leben!
Die Liebe ist es, die das zuwege bringt, dass das Loslassen gelingt, dass wir das Lebenskorn in die Erde legen können – säen auf Hoffnung , damit wir aufstehen können zum Leben!

Das ist unsere österliche Hoffnung: Jesus, der uns liebt, sagt: Leg dein Korn in die Erde, lass los, steh auf zum Leben, zum ewigen Leben! Welch eine Verheißung, welch eine Kraft hat die Liebe!
Das ist doch tröstlich: Der Tod ist nicht das Letzte - die Liebe ist es, die die Angst überwindet, die Hoffnung wachsen und grünen lässt.
Es gibt ihn, den Frühling!

Mit herzlichen Ostergrüßen
Ihre
Ruth Dittus, Diakonin

 

 

Ostern

es lichtet sich                           
vom
licht des lebens
liebkost berührt
bewegt beseelt
gelebte
erinnerung
verheißene
zusage
und es öffnen sich türen
mauern fallen zusammen
gitterstäbe zerfließen
steine werden weggewälzt
tod wird
zum leben
und leben
lebt
allen toden
zum trotz

(aus: Andrea Schwarz, Eigentlich ist Ostern ganz anders. Hoffnungstexte©Verlag Herder GmbH, Freiburg i. Br. 2011, S. 108) 

http://www.herdershop24.de/Theologie-Glaube/Religion-Glaube/Feste-Brauchtum/Ostern-Fastenzeit/Eigentlich-ist-Ostern-ganz-anders.html?force_sid=2c2710c4688da21553de6418115a798d&listtype=search&searchparam=eigentlich%20ist%20ostern

 

Liebe Leserinnen und Leser,
wenn ich die Augen schließe und an Ostern denke, dann sehe ich ein Licht, ein ganz helles Licht. Osterlicht. Wärmendes wohltuendes Licht, das mich umgibt wie ein Schutzmantel gegen nasskaltes Unwetter. Und je schwerer das Leid, der Tod, das Alter, umso stärker müssen die Bilder sein – die inneren und die äußeren.
Anders könnte ich es ehrlich gesagt gar nicht aushalten. Ich brauche die lichten hellen Ostergedanken, die strahlenden inneren Bilder und die äußeren Sonnenstrahlen des beginnenden Frühlings, um immer wieder dem alltäglichen Dunkel standhalten zu können. Mehr noch – um dennoch getröstet und mitunter auch sehr fröhlich „allen toden zum trotz“ leben zu können! In der festen Gewissheit, dass einer den Tod ein- für allemal überwunden hat – und uns Menschen vorausgeht ins ewige Leben.
Wir alle brauchen starke Bilder, denn wir sind immer wieder mit dem Dunkel konfrontiert, lesen in der Zeitung, nehmen teil am Schicksal unserer Verwandten, Freunde, Nachbarn. Dunkles, Leidvolles begleitet uns beinahe täglich, auch wenn es uns Gottseidank nicht immer persönlich betrifft.
An Karfreitag und Ostern wird der Kontrast besonders deutlich, verschärfen sich die Konturen von Hell und Dunkel, stellt sich die Frage nach dem Ende des Lebens und dem Anfang einer neuen Hoffnung, unausweichlich!
Was bleibt „allen toden zum trotz“ zu glauben und zu hoffen?
Befragen wir Menschen nach ihren Osterbildern oder Zukunftshoffnungen im Blick auf das, was Sie nach dem Ende erwarten könnte, so finden wir eine ganze Palette von wunderbaren Bildern – so einzigartig und vielfältig, wie auch die Menschen einzigartig und unterschiedlich sind. Und es geht nicht darum zu fragen, welches Hoffnungsbild denn nun richtig oder falsch sei, alle dürfen sein, alle dürfen uns trösten, uns ermutigen und uns innerlich begleiten.
Meinen Schülerinnen und Schülern habe ich Postkarten mitgebracht, viele, ganz unterschiedliche. Und sie haben ausgewählt: das gemütliche Häuschen, aus dessen Fenstern ein warmes Licht der Geborgenheit strahlt. Den weiten hellen freundlichen Horizont, dem ein Mensch entgegenläuft. Die Luftballons, die in den blauen Himmel fliegen. Die Hand, die einen Menschen liebevoll hält und schützt. Alle Hoffnungsbilder, die wir uns ausmalen und aussuchen, sind in meinen Augen Fingerzeige Gottes, der uns nicht ohne Hoffnung lässt.
Befragen wir die biblischen Ostergeschichten, so finden wir ebenfalls eine Vielfalt von wunderbaren hoffnungsvollen Begegnungen und Bildern:
„es öffnen sich türen, mauern fallen zusammen, gitterstäbe zerfließen , steine werden weggewälzt“:
 Ja, da ist der schwere Stein schon vom Grab gewälzt, da stehen die Engel und trösten die Trauernden „fürchte dich nicht !“, und verkünden die Auferstehung Christi, den Sieg des liebenden Gottes, der zuletzt und in Ewigkeit stärker bleibt als alle dunklen Todesmächte. Einer bleibt und verspricht: „siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende“. „leben lebt, allen toden zum trotz“.
Da begleitet Jesus unerkannt die Jünger nach Emmaus, teilt mit ihnen das Brot und die Gemeinschaft, die bleiben wird, allem zum Trotz. Da tröstet er die weinende Maria Magdalena am Grab, macht sie zur Auferstehungszeugin und schickt den Heiligen Geist als Tröster, als Begleiter, als täglichen Beistand.
Ich entdecke wieder in den spannenden theologischen Überlegungen des Apostels Paulus im Blick auf das Leben nach dem Tod einen Text, der für mich in seiner schönsten Aussage gipfelt: „Ich bin gewiss….dass nichts uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“ (Römer 8,38f)
„gelebte erinnerung verheißene zusage“.
Singen wir wieder einmal Osterlieder, so spüren wir die trotzige Kraft des „Hallelujahaha“, das den Tod in seiner letzten Macht verlacht: „Tod, wo ist Dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg?!“
Und vielleicht lesen wir die wunderbaren Zwischenverse unseres Gesangbuches und finden Worte wie von L. Zenetti: „Mir ist ein Stein vom Herzen genommen: meine Hoffnung, die ich begrub, ist auferstanden, wie er gesagt hat, er lebt, er lebt, er geht mir voraus!“
Oder wir finden leuchtende Bilder wie von P. Neruda: „in der Morgenröte, gewappnet mit glühender Geduld, werden wir in die strahlenden Städte einziehen.“

Vielleicht kann ich Sie einladen, sich auf eine österliche Suche zu machen, nach Bildern, Texten, Ostergeschichten, theologischen Gedanken und vor allem nach Ihren eigenen lebendigen inneren Bildern, die Hoffnung groß machen.
Ich möchte zuletzt einen Liedvers anschließen, mit dem mich ein sterbender Freund einst getröstet hat im Blick auf seine und meine und Ihre Zukunft:
„O Herr, verleih, dass Lieb und Treu in dir uns all verbinden, dass Hand und Mund zu jeder Stund dein Freundlichkeit verkünden, bis nach der Zeit den Platz bereit´an deinem Tisch wir finden.“ (EG 222,3)

 

Von Herzen wünsche ich Ihnen frohe Ostertage mit leuchtenden inneren Bildern und Klängen, auf dass Sie „liebkost, berührt, bewegt, beseelt“ werden vom Licht des Lebens!

Ihre Claudia Krüger

 

In der Hand Gottes

IN DER HAND GOTTES von Pfarrer Matthias Hannig, Nehren

Lieben wir einen Menschen von ganzem Herzen, dann tragen wir ihn auf Händen. Helfen wir einander, dann wäscht eine Hand die andere. Meinen wir hilflos zu sein, dann haben wir das Gefühl, dass uns die Hände gebunden sind. Und wenn uns etwas ganz klar ist können wir sagen: “Das liegt doch auf der Hand“.

Vielleicht gibt es deswegen so viele Redensarten über die Hände, weil wir mit ihnen unser Leben gestalten und formen – im Kleinen und im Großen. Mit unseren Händen ziehen wir uns an und nehmen Messer und Gabel in die Hand. Mit unseren Händen bauen wir Häuser und pflanzen Blumen. Mit unseren Händen zerstören und liebkosen wir. Mit unseren Händen winken und drohen wir.

Was aber, wenn unsere Hände nicht mehr formen und bauen können, wenn ihnen die Kraft fehlt, ein Tablett oder gar die Last des eigenen Lebens zu tragen? Was, wenn wir aus der Hand geben müssen, was uns wichtig war – die eigene Wohnung, die Selbständigkeit, andere Menschen? Bleibt uns dann nur noch übrig, die Hände in den Schoß zu legen und auf ein Leben aus erster Hand zu verzichten?

“In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.“ So bekennt es der Beter des 31. Psalms und meint damit: “Was mir zu schwer wird, Gottes Hände tragen es; ich schenke ihm meine Unruhe, meine Müdigkeit, meine Verwundungen, und er lässt mich dafür die Verlässlichkeit seiner Liebe spüren. Ich bin noch nicht am Ziel, aber ich bin erlöst, ich frage immer wieder händeringend nach dem Sinn meines Lebens, aber ich bin bei ihm in guten Händen, ich falle meiner Lebensangst immer wieder in die Hände, aber ich gehe Gott nicht abhanden.

Mein Wunsch: Dass wir uns auf die Erfahrung des Psalmbeters einlassen und es Gott abnehmen, dass er für uns seine Hand ins Feuer legt, mehr noch, dass er Hand in Hand mit uns durch´s Leben geht.
Und, Hand auf´s Herz, wer von uns möchte das nicht?! Eben. Und wer dieses Anliegen noch bekräftigen möchte, der singe jetzt. Was? “So nimm denn meine Hände und führe mich…..“

Matthias Hannig

 

Zeit des Sterbens

Rabbi Judahs Tod – eine jüdische Erzählung

Rabbi Judah lag im schweren Todeskampf. Seine Rabbi-Kollegen standen um sein Bett herum, und ihr Gebet hielt den Todesengel von Rabbi Judahs Lager weg. Durch das Gebet verlängerte sich sein Leben und seine Qual.
Rabbi Judahs Magd konnte das Leiden ihres Herrn nicht länger ertragen. Um ihm den erlösenden Tod zu bringen, stieg sie ins Obergeschoss, nahm einen irdenen Krug und warf ihn aus dem Fenster. Als er krachend auf die Straße fiel,  erschraken die Rabbiner und hielten für einen Augenblick im Gebet inne. In diesem Moment starb Rabbi Judah.
Seine Magd wurde für ihre Tat gelobt.

 

 

entnommen aus: Vogel, Beate: Rabbi Judahs Tod
http://www.hospizverein-ebersberg.de/LIVE/lyrisches.php

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