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Hausjubiläen

Festgottesdienst im Paul-Gerhardt-Stift in Giengen

Gottesdienstordnung:

Vorspiel Bläser

Votum: Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!
Alle: Amen.

Begrüßung: Dies ist der Tag, den der Herr macht, lasset uns freuen und fröhlich an ihm sein!
Mit diesem Wort aus Psalm __ begrüße ich Sie, liebe Bewohnerinnen und Bewohner, liebe Mitarbeitende im Haus und in der Leitungsebene der Heimstiftung, liebe Ehrenamtliche, liebe Angehörige und alle Gäste sehr herzlich zu diesem Festgottesdienst anlässlich des 40jährigen Jubiläums des Paul-Gerhardt-Stifts.  Ein besonderer Gruß gilt den Bläsern des Giengener Posaunenchores, die diesen Gottesdienst festlich gestalten. Der Dienst am alten Menschen war der Beweggrund für die Inititative, dieses Pflegeheim in Giengen zu gründen. Die Freude an der Diakonie, nicht nur die Einsicht in die Notwendigkeit solcher Einrichtungen, möge weiterhin der Motor für die Gestaltung des Hauslebens sein. Am heutigen Festtag steht aber der Dank für die Begleitung Gottes durch die vier Jahrzehnte währende Heimgeschichte im Vordergrund. Darum wollen wir auch das Lob Gottes hörbar werden lassen. Und die Bläser des Posaunenchores unterstützen uns mit ihren Instrumenten dabei. Die Gegenwart des Namenspatrons des Hauses Paul-Gerhardt ist besonders in den Liedtexten, die wir singen, präsent.

Lied EG 676,1-4 Geh aus mein Herz und suche Freud

Psalm 36 halbversweise im Wechsel
Ehr sei dem Vater

Gebet
Gütiger Gott, wir danken Dir für die vergangenen 40 Jahre, in dem alte Menschen hier im Paul-Gerhardt-Stift Heimat finden durften.
Wir danken Dir für alle guten Beziehungen zu den Menschen, die dem Haus verbunden sind.
Wir danken Dir für die glücklichen Erfahrungen und bringen vor Dich, was uns Kummer macht und uns mit Sorge erfüllt.
In der Stille bringen wir vor Dich, was uns an diesem Tag besonders bewegt:
Stilles Gebet

Bläserstück

Lesung: Matthäus 5, 13-16
Lied EG 302,1-3+8 Du, meine Seele, singe

Predigt über Epheser 2,17-22

Liebe Festgemeinde,
vorbereitend zu diesem Jubiläum des Paul-Gerhardt-Stifts war in der Heidenheimer Zeitung als Überschrift zu lesen: „Ältestes Pflegeheim jetzt im Schwabenalter.“ Wobei auf den 40. Geburtstag der Einrichtung angespielt wurde. Hingegen -  im alten Rom galt man mit 40 Jahren schon als Greis. Das habe ich in einer wissenschaftlichen Untersuchung über das Alter in der Antike gelesen. Nun – greisenhaft mutet das Haus ganz und gar nicht an, obwohl es für Menschen im hohen Lebensalter konzipiert und gebaut wurde. Das Paul-Gerhardt-Stift erleben viele Menschen die herkommen als freundlich und frisch. Das bezieht sich jetzt nicht auf einen neuen Fassadenanstrich oder die eine oder andere Umbaumaßnahme und Erweiterung auf genau doppelt so viele Plätze als bei der Erbauung. Freundlichkeit und Frische sind Zeichen des Geistes Gottes, dessen Auswirkungen man spüren kann, wenn man im Haus unterwegs ist. Vor vierzig Jahren wurde das Alten- und Pflegeheim hier in Giengen nach einer 3jährigen Planungs- und Bauphase eingeweiht und bezogen. Das war 1970, in einer Zeit, als noch niemand vom demographischen Wandel sprach und noch kaum vorstellbar war wie sich die Gesellschaft durch eine höhere Lebenserwartung und Pflegebedürftigkeit verändern sollte. Die Evang. Heimstiftung beschloss hier in der schönen, ehemaligen alten Reichsstadt mit liebenswerter Randlage direkt an der bayerischen Grenze eine Einrichtung zu betreiben, in der alte Menschen gut begleitet werden. Ein Haus ist gebaut worden, das für viele zur Heimat werden sollte. Der Predigttext für den heutigen zweiten Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest passt zufällig ganz gut zu diesem Jubiläum, nimmt er doch das Bild vom Hausleben auf und entfaltet es.
Ich lese aus dem Brief an die Epheser im 2. Kapitel die Verse 17-22:

TEXT

Liebe Gemeinde,
Christus ist das erste Wort in dem verlesenen Abschnitt. Christus muss das erste Wort haben bei den großen Vorhaben in Kirche und Diakonie. Das muss uns immer wieder im Getriebe der Zeiten und bei allen gesetzlichen, juristischen und betriebswirtschaftlichen Vorgaben gesagt werden. Wir müssen es uns immer wieder, wenn wir miteinander in einem christlichen Hause arbeiten, sagen: Christus vor allem. Dieser Jesus von Nazareth, der sich in besonderer Weise den Mühseligen und Beladenen zugewandt hat, den Kranken, Schwachen, Trauernden muss das erste Wort bei uns haben.

An einem Festtag wie heute schweifen die Blicke zurück in die Gründerzeit und in die Heimgeschichte und das ist auch gut so.  Viele Menschen haben das Haus geprägt mit ihrem Stil und ihrem Einsatz, manche in ganz besonderer Weise. Sie alle, die Sie sich heute hier versammelt haben, sind aus der Nähe und aus der Ferne gekommen. Das meine ich jetzt nicht nur geographisch. Ich denke auch in der eigenen Lebensgeschichte in der Verbindung mit diesem Ort, an dem alte Menschen alt sein dürfen, entspricht je nach eigener Befindlichkeit mehr einer tiefen Nähe oder schon einem größeren Abstand aus der Ferne. Die das Haus prägen durften und jetzt im Ruhestand sind sehen manches anders, als die, die die heutigen Herausforderungen unter anderen Vorzeichen meistern müssen. Wer heute Angehörige im Hause untergebracht hat, erlebt es anders, als jemand, der einen nahen Angehörigen bis zum Tod im Paul-Gerhardt-Stift hatte und heute ehrenamtlich mitarbeitet.
Christus gewährt beiden Frieden, den Nahen und den Fernen, den Aktiven und den Gästen, den Verzagten und den Mutigen, den Beherzten und den Zögernden. So der Epheserbrief. Und glauben Sie mir, so ein Haus verträgt viele verschiedene Temperamente, Fähigkeiten und Phantasien. Schlüssel für ein segensreiches Miteinander ist der eine Geist Gottes, der zum Frieden führt. Es ist der Geist der Liebe, der von Jesus Christus ausströmt, indem er sich den Benachteiligten und Beladenen zuwendet und sie in seiner Gegenwart tröstet.
Das ist die Grundlage unserer diakonischen Bemühungen um den alten, den pflegebedürftigen Menschen, dass er in diesem Hause so sein darf, wie er durchs Leben, manchmal auch durchs Leiden geworden ist. Wir müssen im hohen Alter nicht um jeden Preis Veränderungen herbeiführen. Förderung ist gut und in Ordnung, wenn es dem betreffenden Menschen gut dabei geht. Aber viel wichtiger als das lebenslange Lernen bis zum Tod ist doch, dass auch der alte hilfsbedürftige Mensch hier noch einmal eine Heimat findet für seine ihm geschenkte Zeit. Sie, liebe Bewohnerinnen und Bewohner, sollen nicht Gäste und Fremdlinge sein im Haus, sondern Hausgenossen zusammen mit anderen. Und im geistlichen Sinne darüber hinaus: Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Vielleicht scheint die Auslegung etwas gewagt, das, was von der christlichen Gemeinde im Allgemeinen gesagt wird nun zu übertragen auf das Leben im Paul-Gerhardt-Stift. Ich denke, es ist nicht vermessen, ist doch das Paul-Gerhardt-Stift in besonderer Weise mit der Kirchengemeinde hier am Ort verbunden, steht also in geschwisterlicher Weise auf demselben Grund. Kirchengemeinde und Pflegeheim nehmen dieselben gesellschaftskritischen Positionen wahr und tun dies aus dem Vertrauen auf Jesus Christus in der Nachfolge. In der Lesung haben wir einen Abschnitt aus der Bergpredigt Jesu gehört: „Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt!“

Ohne das liebevolle Bemühen um den Menschen, der in unserer Gesellschaft der Sieger wenig oder gar nichts gilt, wäre es in unserer Welt zappenduster. Ohne Orte wie das Paul-Gerhardt-Stift wäre es in unserer Umgebung frostig.
Wo aber der Mensch, der in seinem Alter Hilfe und Heimat benötigt, angenommen und begleitet wird, auch wenn er seine Dankbarkeit nicht mehr ausdrücken kann, entsteht ein herrlicher prächtiger Bau zu Gottes Lob. Wir jungen, gesunden, leistungsstarken Menschen können viel von den Älteren lernen. Wir können ihr Gottvertrauen lernen. Das Vertrauen in Gott, der sie liebt, auch wenn sie nicht mehr leisten können und nur noch in der totalen Gegenwart leben. Das ist Rechtfertigung: vor Gott stehen ohne auf große Leistungen verweisen zu können und ohne sich seine Barmherzigkeit zu verdienen. Ein Haus, wo dieses Da-Sein-Dürfen-Vor-Gott breiten Raum einnimmt, indem der Andachtsraum ein zentraler Ort ist, wo gebetet und gesungen wird mit den alten Menschen, die ihren Glauben leben dürfen so wie es eben noch geht, ist ein heiliger Tempel. Nein – das ist jetzt nicht übertrieben, auch wenn uns die Sprache des Epheserbriefs fremd ankommt. Wo Menschen in ihrer Krankheit und Gebrechlichkeit, mit allen Merkwürdigkeiten, die das Alter manchmal begleitet, getröstet werden, wo Sterbende in Würde sterben dürfen, da nimmt Gottes Geist gerne Wohnung.

Aber seien wir demütig an einem solchen Tag. Nicht wir schaffen die Herberge für den Heiligen Geist. Der weht bekanntlich wo er will und lässt sich schwerlich festbinden. Gottes Segen ist nicht verfügbar – er muss erbeten werden: Tag für Tag. Und auch unsere Kraft ist uns nicht ein für allemal zugemessen. Wir sind es nicht allein, an denen es liegt. Eingangs sagte ich, Christus steht an allem Anfang. Christus ist der Eckstein des Glaubens, warum nicht auch der Eckstein eines Hauses, in dem die alten Menschen gut und liebevoll gepflegt werden. Der Eckstein eines Ortes, an dem mit ihnen gelacht und geweint, gebastelt und gebacken, erzählt und geschwiegen wird. Auf diesem Grund wächst der ganze Bau ineinander. Aber wir stehen auf unendlich vielen Schultern in unserem Glauben. „Erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten...“ Vor uns stehen andere, deren Hingabe weiterwirkt bis heute. Auf ihrer Erfahrung und ihrem Engagement können wir aufbauen, auch wenn Zeiten sich geändert haben und wir uns von ihnen unterscheiden.

Aber der Apostel lässt gar keinen Zweifel daran, dass der Glaube an Christus sich durch die Zeugen aus Fleisch und Blut fortsetzt. Wir werden eingebaut in ein Bauwerk, das schon eine viel längere Geschichte als die 40 Jahre hat. Der Verweis auf den Namengeber Paul Gerhardt macht dies deutlich. Er lebte mitten im 30jährigen Krieg, in dem halb Europa zerstört war. Sein persönliches Leben bewegte sich in diesen geschichtlich schwierigen Zeiten inmitten persönlicher Katastrophen. Er wusste um Schmerz und Enttäuschungen, musste seine Frau und mehrere Kinder zu Grabe tragen und wurde gerade darin zum tröstenden Glaubenszeugen in seinen Liedern. Sein Trost entwickelt sich aus dem Leid. Das ist für viele Menschen glaubwürdig. So singen wir noch heute seine Lieder und spüren, dass es gut tut. Und unsere Bewohner können fast alle Strophen der Lieder auswendig. So baut sich ein Tempel aus Text und Melodie und ist darin ganz besonders Wohnung für den Heiligen Geist.

Wir stehen in einer lange Reihe von Zeugen und in einer langen Reihe von Bauleuten, wo es ums Reich Gottes geht. Und nach uns werden andere eingebaut werden, die auf unseren Schultern stehen. Keine Generation steht für sich, sondern alle sind ineinander gefügt zu einem kunstvollen Gebäude, das tempelgleich den Heiligen Geist beherbergt. Christus – das erste Wort vor allem. Vor allen Neuerungen und Überlegungen. Und Christus das letzte Wort nach allem. So soll es sein. Amen.

Lied EG 322, 1-6 Nun danket all und bringet Ehr

Fürbitten mit Lied EG 178.9 Kyrie eleison

Pfarrerin: Gott, unser himmlischer Vater,
  du hast Witwen und Waisen,
  Kinder und alte Menschen
  der besonderen Fürsorge deiner Gemeinde anvertraut.
  Wir blicken dankbar zurück auf die vergangenen 40 Jahre, in denen
  das Paul-Gerhardt-Stift zur letzten Heimat für viele Menschen wurde.
  Deiner Treue vertrauen wir diesen Ort der Diakonie aufs Neue an
  und bitten dich:
Gemeinde 
+ Bläser: Kyrie eleison (EG 178.9)

Mitarbeiterin:   Segne alle Mitarbeitende in diesem Altenpflegeheim,
             deren Dienst dazu beiträgt,
dass es zur Heimat werde für die vielen hoch betagten und  
altersverwirrten Menschen,
dass es der Pflege der Kranken und Bedürftigen diene,
dass der Geist deiner Liebe spürbar wird,
darum bitten wir dich:
Gemeinde 
+ Bläser: Kyrie eleison (EG 178.9)

Mitarbeiterin: Schenke den Bewohnern hier im Hause Freude und Zuversicht,
   lasse sie Heimat und freundliche Menschen finden,
   sei den Einsamen nahe und tröste die Sterbenden,
                      darum bitten wir dich:
Gemeinde 
+ Bläser: Kyrie eleison (EG 178.9)

Mitarbeiterin: Sei nahe den Angehörigen, die ihre Eltern und Verwandten in Pflege
                      geben, dass sie Hilfe und Verständnis erfahren. Mache Raum einem
   offenen und sensiblen Umgang mit Grenzen und Belastungen.
 Wehre du den verletzenden Worten und den vorschnellen 
 Verurteilungen,
 darum bitten wir dich:
Gemeinde 
+ Bläser: Kyrie eleison (EG 178.9)

Mitarbeiterin: Schenke du den Verantwortlichen im Management Einsicht in der
   Sorge um die Einrichtung, dass bei allem betriebswirtschaftlichen
   Denken und Handeln, der Mensch im Vordergrund bleibe.
   Stärke die Leitenden in ihrer gesellschaftlichen Rolle, dass sie ihre
   Stimme erheben für die Schwachen und Alten, und für alle, die in
   diesem Bereich tätig sind,
   darum bitten wir dich:
Gemeinde 
+ Bläser: Kyrie eleison (EG 178.9)

Pfarrerin: Guter Gott, du bist der Freund aller Mühseligen und Beladenen,
   gemeinsam rufen wir zu dir: Vater unser im Himmel….

Lied EG 321, 1-3 Nun danket alle Gott

Abkündigungen

Segen

Nachspiel der Bläser

© Iris Carina Kettinger, Pfarrerin in der Altenpflegeheimseelsorge, Heidenheim

 

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