
Mit freundlicher Genehmigung
© Bridgeman Berlin
Das Bild stammt aus dem Mausoleum der Galla Placidia, einem Sakralbau in Ravenna, der den Mosaikschmuck aus dem 5. Jahrhundert birgt und befindet sich direkt über dem Eingang.
In der Bildmitte, das Zentrum, sitzt auf einem Stein ein Hirte.
Er trägt nicht etwa ein einfaches Hirtengewand, sondern eine rotgesäumte Tunika aus goldfarbenem Stoff. Darüber legt sich ein purpurfarbener Schal.
Statt eines Hirtenstabes trägt der Hirte auf diesem Bild ein großes Goldkreuz, das den Himmel, wie auch den Boden des Bildes berührt.
Der Hirte hat ein jugendliches, bartloses Gesicht umrahmt von dunkelblondem, lockigem Haar. Um sein Haupt erstrahlt ein Heiligenschein. Sein Blick schweift über die Schafe zu seiner rechten Seite, während er mit der rechten Hand sanft eines der um ihn stehenden Schafe berührt. Dieses streckt den Kopf zu ihm empor und scheint die zarte Berührung zu genießen.
Weitere Schafe sind auf dem Mosaik zu sehen. Sie stehen in etwas verstreut auf den Felsen, zwischen Grasbüscheln und Büschen oder liegen auf der Wiese. Alle Tiere haben ihren Blick dem Hirten zugewendet.
Die Wiese scheint auf Säulen oder Stützen zu stehen. Das ganze Bild ist umrahmt von einem grünen Ornament in einer goldfarbenen Einfassung.
Über der Hirtenszene sind auf blauem Untergrund verschieden große Kreise in gelb, rot, hellblau zu erkennen.
Der Hirte hütet und beschützt seine Herde vor Gefahren. Er kümmert sich um kranke und verlorene Tiere. Er kennt seine Tiere genau. Er sorgt für das Wohlergehen der Tiere, in dem er sie zu entsprechenden Weiden und Wasserstellen führt.
Im Alten Testament wird das Bild des Hirten für Gott verwendet. Gott wird durch Jesus Mensch. Gottes Liebe wird durch Jesus sichtbar.
Und so wird im Neuen Testament auch Jesus als der gute Hirte bezeichnet.
So weist vielleicht auch die prächtige, königliche Kleidung und der Heiligenschein auf den besonderen Hirten, auf Jesus hin.
Zur Verteidigung und als Hilfe für seine Wanderungen führt ein Hirte seinen Hirtenstab mit sich.
Ein Stab ist auch ein Zeichen von Autorität. Könige halten ihr Zepter.
Der hier abgebildete Hirte hält als Stab ein Kreuz, auch ein Zeichen von Autorität.
Das Kreuz als Sinnbild der Verbindung von Himmel und Erde,
ein Sinnbild von Raum und Zeit,
ein Sinnbild dafür dass unser zeitliches Leben (Waagrechte) von Gottes ewiger Liebe (Senkrechte) durchkreuzt wird.
Das Kreuz ist einerseits der Pfahl, an dem Jesus den Tod fand,
andererseits das Zeichen seines Sieges über den Tod.
Die Schafe oder Lämmer.
Die Tiere auf dem Mosaik sind alle weiß - weiß, die Farbe der Unschuld, der Reinheit, der Vollendung.
Im Alten Testament wird mit dem Lamm das Sühneopfer verbunden oder es erinnertan das Passalamm.
Das Lamm im neuen Testament steht für das Gotteslamm, dass die Sünden der Welt trägt und neues Leben schenkt.
Auf dem Mosaik sind viele Lämmer zu sehen. Sie schauen alle auf ihren Hirten und Herrn.
Wir Menschen sind wie die Lämmer, auch wir sollen auf unseren Hirten und Herrn schauen.
Und wir können uns auf ihn verlassen. Er kennt uns, wie der Hirte seine Tiere genau kennt.
Die Tiere stehen auf grüner Wiese, mit saftigen Grasbüscheln und Buschwerk. Felsen und Steine können einerseits Gefahren bedeuten, aber auch festen Grund, der trägt und auf dem alles fest begründet steht.
Die Säulen oder Stützen, die die Wiese tragen, könnten evtl. auf das alte babylonische Weltbild hindeuten, in dem die Welt ebenfalls auf Säulen stand. Der Himmel, der sich über dem Bild wölbt könnte übersät sein von Sonnen und Sternen die die Erde umgeben.
Der goldene mit grünen Ornamenten geschmückte Bogen, der das Mosaik einrahmt könnte die Begrenzung zwischen dem weiten Firmament ( im erwähnten Weltbild war es allerdings die Urflut) und der Erde mit ihrem nahen Himmel symbolisieren, an dem sich auf der rechten Seite eine Sonne hineinschiebt, die den Hirten und die Schafe mit einem matten Schein bestrahlt.
Vielleicht wird mit diesem Licht die Liebe Gottes symbolisiert, die den guten Hirten, wie auch die Schafe mit ihrer Liebe umhüllt.
© Uschi Hartwig, Bildmeditation aus Materialien zur Bibel "Getröstet und geborgen", www.getroestet-und-geborgen.de
Bildnachweis: www.bridgemanart.com