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Alles was Atem hat lobe Gott

Mit diesen Worten laden Frauen aus Kamerun ein zum Weltgebetstags-Gottesdienst am 5. März 2010. Und ihr Gottesdienst ist ein einziges Lob Gottes. Das mag einen erstaunen. Denn sie erzählen von anhaltender Dürre, von Überschwemmungen und Erdrutschen. Sie berichten von Frauen, die verwitwet, Kindern, die verwaist und Menschen, die von schweren Krankheiten betroffen sind. Sie weisen hin auf soziale Missstände, auf Unrecht und Gewalt, unter denen Viele zu leiden haben. Und doch – so sagen die Frauen aus Kamerun: auch die Leidenden wissen sich von Gott begleitet im Tal der Todesschatten. Und sie loben Gott dafür.

Gott loben macht nicht weltfremd. Gott loben heißt nicht: die Augen verschließen vor der Not der Welt, sondern wissen, dass nichts im Leben selbstverständlich ist. Gott loben bewahrt davor, nur noch die Not zu sehen.

Wenn wir Gott loben – so heißt es da – lösen sich unsere Probleme nicht einfach auf. Aber wir können sie besser ertragen. Wir haben ihnen etwas entgegen zu setzen. So wie einst Paulus und Silas. (Apostelgeschichte 16) Zu Unrecht hat man sie geschlagen und eingesperrt. Übel hat ihnen das Leben und haben ihnen die Menschen mitgespielt. Aber Paulus und Silas vertrauen auf Gott, obwohl sie nicht wissen, wie es weiter gehen soll. Sie loben Gott – mitten in der Nacht, als es am aller dunkelsten ist und trotz ihrer Ketten, die es ihnen unmöglich machen, eigene Schritte zu tun.

Und das Lob macht sie frei. Frei von Verzweiflung und frei von rachsüchtigen Gedanken. Frei vom Hass und frei davon, auf ihrem Recht zu beharren. Und schließlich tatsächlich frei: von den Ketten und von den Mauern des Gefängnisses. Ein Erdbeben bringt die Wände zum Wanken. Der Kerker stürzt ein. Und da zeigt sich, wie frei die beiden sind: sie sind frei genug, um da zu bleiben. Sie nützen nicht die Chance zur Flucht. So bieten sie dem Gefängnisaufseher die Chance, nun auch zum Glauben zu kommen. Er lässt sich taufen. Der Richter aber, der die beiden zu Unrecht verhaften ließ, bekommt die Chance zur Wiedergutmachung. Es gibt ein „Happy-End“.

Nicht alle unsere Lebensgeschichten gehen gut aus. Auch nicht bei den Frauen in Kamerun. Aber was sie über ihren Glauben sagen, erinnert sehr an einen Psalmvers, in dem es heißt: Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand. Du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an. (Psalm 73, 23+24). Dennoch … - das ist wohl auch bei uns sehr oft das, was uns am Glauben hält. Weil auch wir, wie die Frauen aus Kamerun, wissen und es immer wieder so erfahren haben: Auch, wenn Gott uns manchmal fremd und fern vorkommt; auch, wenn wir ihn in seinem Handeln oft nicht verstehen; auch, wenn das, was wir erleben uns manchmal schier den Atem raubt – was wären wir denn ohne Gott und ohne unseren Glauben an ihn?

Alles, was Atem hat, lobe den Herrn – vielleicht nicht für alles, was uns in diesem Leben widerfährt. Aber doch dafür, dass wir im Glauben immer wieder die nötige Kraft und Zuversicht finden, um mit und trotz alledem leben zu können. Und es ist wohl kein Zufall, dass in unserer Sprache die Worte „leben“ und „loben“ sehr nah miteinander verwandt sind. Ebenso wie mit den Worten „lieben“ und (dem fast ausgestorbenen) „laben“.

Lassen wir uns also von den Frauen aus Kamerun zum Gotteslob einladen. Vielleicht auch mit den Worten eines bekannten Liedes: Lobe den Herren, was in mir ist: lobe den Namen. Alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen. Er ist dein Licht. Seele, vergiss es ja nicht! Lobende, schließe mit Amen. (EG 317, 5)

© Irmtraut Endreß

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