Begonnen hat alles mit einer großen Befragung in Heimen der württembergischen Diakonie und den Dekanaten der Landeskirche in den Jahren 1986/87. Damals wurde deutlich: Bezüglich des gottesdienstlichen Angebotes waren die Heime zwar zufrieden, bei der Einzelseelsorge und bei Besuchen äußerten sich aber 90 Prozent der Befragten als unzufrieden.
Diese letzte Zahl ließ viele aufhorchen. So luden die Verantwortlichen 1988 erstmals ins Pfarrseminar nach Stuttgart-Birkach ein, und eine große Zahl von Teilnehmenden aus Kirche und Diakonie folgte der Einladung. Für alle die der AltenPflegeHeimSeelsorge als einem eigenen Arbeitsfeld des kirchlichen Dienstes mehr Raum und Beachtung in der Kirche schenken wollten, war dies ein erster wichtiger und Mut machender Schritt.
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Die Herbstsynode 1990 setzte den entscheidenden Impuls. |
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Das Ziel war, die AltenPflegeHeimSeelsorge ähnlich wie die Krankenhausseelsorge mit eigenen Pfarr- und Diakonatsstellen auszustatten und zu etablieren. So waren für 1991 vier hauptamtliche Pfarrstellen und eine Diakonenstelle vorgesehen. Im Gespräch war ein Stellenschlüssel, der vorsah, dass Häuser mit bis zu 150 Plätzen von der Gemeinde versorgt werden sollten, für Heime ab 150 bis 400 Plätzen sollten Teilzeitstellen eingerichtet werden, Heime mit mehr als 400 Plätzen und eigener Altenpflegeschule sollten zu einer 100-prozentigen Pfarrstelle führen. Nach dem Willen der Synodalen sollte mit 19 Stellen ein Anfang gemacht werden. So schloss die Synode mit der hoffnungsvollen Perspektive: „Die Altenheimseelsorge solle eine Alternative sein zur zunehmenden Resignation in Kirche und Diakonie bezüglich der Altenhilfe“.
Die folgenden Jahre bis 1993 waren geprägt von dieser Aufbruchstimmung. Es entstand eine Handreichung für den Dienst der Seelsorgerinnen und Seelsorger im Altenheim/ Altenpflegeheim (Februar 1992) und eine Satzung für einen Konvent für Altenheim- und Altenpflegeheimseelsorge in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, die am 22. April 1993 mit Zustimmung der ersten Konventsversammlung in Bad Boll verabschiedet wurde. Ein erster Beirat wurde gewählt. Vorsitzende wurde Pfarrerin Gabriele Fleischmann. Hauptaufgabe des Beirats war in diesen Anfangsjahren die Erarbeitung einer Ordnung für die Altenheimseelsorge der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Erst 1998 konnte der Prozess nach mühevoller Kleinarbeit abgeschlossen werden. Der entsprechende Erlass des Oberkirchenrats, in dem die Ordnung für Altenheimseelsorge am 7. April 1998 unter dem AZ 53.64 Nr.68 niedergelegt wurde, erschien im Amtsblatt der Evangelischen Landeskirche in Württemberg in Bd.58 Nr.7 S.91 vom 31. Juli 1998.
Rechtliche Grundlage für die Arbeit sind einerseits die „Ordnung für die Altenheimseelsorge der Evangelischen Landeskirche in Württemberg“, in: Amtsblatt Bd.58 Nr.7 S.91 vom 31. Juli 1998 und andererseits die „Satzung des Konvents für Altenheim- und Altenpflegeheimseelsorge in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg“ vom 22. April 1993.
In der Ordnung heißt es unter Ziffer 6 „Konvent“: Die in der Altenheimseelsorge Tätigen sind, unabhängig von Ausbildung und Form der Anstellung, Mitglied im Konvent der Altenheimseelsorgerinnen und Altenheimseelsorger und nehmen an den Konventsversammlungen und dazugehörigen Fortbildungsveranstaltungen teil.
Inzwischen hatte sich die Situation – nicht nur für die AltenPflegeHeim-Seelsorge – drastisch verändert. Die Sparzwänge der Landeskirche machten einen gründlichen Strich durch die anfänglichen Pläne.
Mehr und mehr wurde deutlich, dass die geplanten hauptamtlichen Stellen in der Alten-PflegeHeimSeelsorge so nicht zu realisieren und umzusetzen sind. In diese Zeit eines neuen Nachdenkens über die zukünftige Gestalt und Struktur der AltenPflegeHeimSeelsorge in der Württembergischen Landeskirche fiel das 10-jährige Jubiläum des Konvents am 10. April 2002 in Bad Boll. Gabriele Fleischmann, Vorsitzende des ersten Konvents, hielt bei den Feierlichkeiten einen Rückblick auf zehn Jahre Konventsarbeit, und sie fragte ausgehend von der auf der Herbstsynode 1990 gezeichneten Perspektive: „Heute – nach zehn Jahren Konvent – müsste vielleicht eher gefragt werden: gibt es eine Alternative zur Resignation innerhalb der Alten- und Pflegeheimseelsorge?“
Konvent und Beirat sehen die Herausforderung. Dabei ist deutlich: In dem Maße wie es gelingen wird, die AltenPflegeHeimSeelsorge in ihrer ekklesiologisch-theologischen Bedeutung stark zu machen als einen geistlichen Lernort für das, was Kirche ist, in dem Maße wird sie auch Raum und Stimme finden jenseits aller ökonomischen und strukturellen Sachzwänge.
Reiner Zeyher