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Hospiz

Hospiz, vom lateinischen hospitium = Gastfreundschaft, Bewirtung, Herberge

Grundsätzliches

Das Wort wurde im 19. Jahrhundert eingedeutscht. Seither finden sich unter dem Begriff Hospiz folgende Bedeutungen:

  • Ein zu einem Kloster gehörendes Haus, in dem vor allem Pilger übernachten können.
  • Eine von Mönchen errichtete Unterkunft für Reisende oder wandernde Mönche im Mittelalter.
  • Ein Hotel oder eine Fremdenpension, die in christlichem Geist geführt wird.
  • Eine Einrichtung zur Betreuung schwerstkranker oder sterbender Menschen und deren Angehörigen.

Die geistige Grundlage für die Einrichtung solcher Orte lag im Gebot der caritas, der Zuwendung zum Nächsten. In frühchristlicher Zeit wurden Kranke zu Hause gepflegt. Kranke zu besuchen, gehört zu den „Werken der Barmherzigkeit“ (Mt 25).

Vorgeschichte

Die Vorgeschichte des mittelalterlichen und neuzeitlichen Hospizes liegt beim griechischen Xenodochium (Fremdenheim). Durchreisenden Glaubensgeschwistern galt die Gastfreundschaft, dann aber auch allen Ortsfremden, die auf den Heerstraßen, Pass- und Flussübergängen, auf Reise- und Pilgerrouten unterwegs waren.

Im Mittelalter fielen den Klöstern die Hospizpflichten zu. Sie boten zum einen Gästeherbergen und zum anderen Krankenstationen. Mit der Zeit differenzierten sich die Formen aus. Es gab allgemeine Spitäler, Fremden-und Pilgerspitäler, Armen- und Seelhäuser und Spitäler für besondere Krankheitsbilder, z.B. Lepra. Lediglich die Fremden- und Pilgerspitäler entlang der bedeutenden Wallfahrtswege können tatsächlich „Hospize“ genannt werden. Sie waren Hospital und Hospiz.

Sterbekultur

Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen.

Notker, der Stammler

Von Notker, dem Stammler, stammt der Satz: „Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“ (media vita in morte sumus). Er beschreibt zutreffend die Situation der Menschen im Mittelalter. Kindersterblichkeit, Tod im Kindbett, Krankheiten, Seuchen, Kriege machten den Tod und den Anblick des Todes allgegenwärtig.

Die Enge der Lebensräume und das selbstverständliche Miteinanderleben ließen den Tod als Teil des Lebens begreifen. Der Tod wurde nicht als Ende des Lebens verstanden. Am Leben nach dem Tod bestand kein Zweifel. Allerdings waren die Ängste vor dem bevorstehenden Gericht gewaltig. Zunehmend wurde die Sterbestunde als Augenblick des Gerichts über die Seelen der Verstorbenen angesehen. Aus dieser Gedankenwelt entwickelte sich die ars moriendi, die „Kunst des heilsamen Sterbens“. Der Tod sollte nicht plötzlich eintreten, sondern auf einen gut vorbereiteten und von Nahestehenden im Prozess des Sterbens wohl begleiteten Menschen treffen.

Sterbebegleitung

Die Hospizbewegung der Neuzeit lässt manche dieser Traditionslinien durchschimmern, hat aber doch ganze eigene Wurzeln.

Die Entwicklung der Intensivmedizin in den fünfziger und sechziger Jahren, spektakuläre medizinische Erfolge wie die erste Herzverpflanzung 1967 und eine zunehmende Technisierung in der Medizin führten dazu, dass der Tod nicht länger als Begleiter und Teil des Lebens verstanden wurde, sondern Sterben als Scheitern erlebt und zunehmend verdrängt wurde. Zwei Ärztinnen haben durch ihre Einsichten und Veröffentlichungen, vor allem aber durch ihre praktische Arbeit wesentliche Anstöße für einen menschenwürdigen Umgang mit Sterbenden gegeben: Elisabeth Kübler-Ross und Cicely Saunders.

Spektakuläre medizinische Erfolge und eine zunehmende Technisierung in der Medizin führten dazu, dass der Tod nicht länger als Begleiter und Teil des Lebens verstanden wurde, sondern das Sterben als Scheitern erlebt und zunehmend verdrängt wurde.

Sabine Habighorst

Cicely Saunders, 1918 geboren, gründete 1967 das Christopher´ s Hospice in London. Als Krankenschwester und Sozialarbeiterin ausgebildet, traf sie in ihrer Arbeit 1947/48 den sterbenden Patienten David Tasma. Im Kontakt mit ihm wurde ihr deutlich, dass Sterbebegleitung ganzheitliche Pflege (rounded care) erfordert. Es gilt die körperlichen, seelischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse eines kranken und sterbenden Menschen zu achten. Cicely Saunders beginnt Medizin zu studieren und beschäftigt sich vor allem mit Schmerztherapien. Wesentliche Aufgabe in der Begleitung Schwerstkranker und Sterbender ist, für weitest gehende Schmerzfreiheit zu sorgen (Palliativmedizin, „lindernde“ Medizin).

Vier Kernpunkte waren für die praktische Umsetzung der Hospizidee prägend:

  1. Geborgenheit: Sterbende sollen nicht allein gelassen werden. Sie sollen die Möglichkeit haben, in vertrauter Umgebung und begleitet von vertrauten Menschen zu sterben.
  2. Schmerzlinderung.
  3. Hilfestellung: Unterstützung beim Regeln „letzter Dinge“.
  4. Gespräche ermöglichen; Offenheit für die großen Fragen des Lebens in weltanschaulicher Weite.

In Deutschland stießen Anfang der siebziger Jahre Berichte über das Londoner Hospiz („Noch 16 Tage, Bericht über eine Sterbeklinik in London“) zuerst auf sehr kritische Reaktionen. Vor allem der Begriff „Sterbeklinik“ ließ die in Deutschland bis dahin noch nicht gründlich geführte Debatte um die Euthanasie im Nationalsozialismus als Hintergrund auftauchen. Auch in der Diskussion um eine „aktive Sterbehilfe“ (Dr. Julius Hackethal) spielten die Vertreter der Hospizbewegung kaum eine Rolle. Erst Ende der achtziger Jahre konnten sie sich zunehmend Gehör verschaffen und wurden deutsche Modelleinrichtungen angemessen vorgestellt.

Mehrere Etappen prägten in Deutschland den Weg der modernen Hospizbewegung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit:

  • 1970-1979: Informationsdefizit und Ablehnung
  • 1980-1989: Pionierleistungen Einzelner und Aufschwung
  • 1990-2000: Etablierung als Bürgerbewegung und breite Akzeptanz für das Konzept der rounded care.

Hospizgruppen, Sitzwachengruppen in Alten- und Pflegeheimen und ambulante Hospizdienste entstanden sowie stationäre Hospize, Palliativstationen in Krankenhäusern in unterschiedlichster Trägerschaft.

Das Thema eines menschenwürdigen Sterbebeistands, das Ermöglichen einer „guten Station“ vor der letzten Reise, wird virulent bleiben, erst recht in Zeiten, in denen es zunehmend hochbetagte Menschen gibt, die Hightechmedizin sich weiterentwickelt und der ökonomische Druck steigt.

 

Sabine Habighorst, in: Evangelische Landeskirche in Württemberg / Diakonisches Werk der evangelischen Kirche in Württemberg e.V. (Hrsg.) V.i.S.d.P. Dr. Antje Fetzer, Ich will euch tragen. Handbuch, Arbeitshilfe für die Seelsorge in der Altenpflege, 2006, S. 104-107.

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