Das Kirchenjahr
- Das Kirchenjahr beginnt am 1. Advent (1. Sonntag im Dezember oder letzter Sonntag im November). Sein Verlauf zeichnet die wichtigsten, durch Feste und Feiertage markierten Stationen im Leben Jesu Christi und der christlichen Kirchen nach.
In den Orthodoxen Kirchen beginnt das Kirchenjahr am 1. September mit dem Gedenken an die Schöpfung.
Advent
- Beginn: vier Wochen vor Weihnachten.
Die Adventszeit beginnt am ersten Sonntag im Dezember (oder am letzten Sonntag im November) und dauert vier Wochen bis Weihnachten. In ihr bereiten sich Christinnen und Christen auf die Ankunft (lat. adventus) Christi vor, die sich in seiner Geburt ereignet und als Wiederkommen in der Zukunft erhofft wird.
Liturgische Farbe: violett
Weihnachten
- Heilig Abend: 24. Dezember; Weihnachten: 25. und 26. Dezember. In manchen orthodoxen Kirchen: 6. Januar. Am Weihnachtsfest (25. und 26. Dezember) feiern Christinnen und Christen die Geburt Jesu Christi. Das Fest wird mit dem „Heiligen Abend“ am 24. Dezember eingeleitet. Die armenisch orthodoxe Kirche feiert am 6. Januar Weihnachten.
Biblische Grundlage: Mt 1, 18-25; Lk 2, 1-22 Liturgische Farbe: weiß
Epiphanias – Erscheinung des Herrn („Dreikönigsfest“)
- 6. Januar
Mit dem Fest „Epiphanias“ am 6. Januar wird das „Erscheinen“ (Epiphanie) Gottes in der Person Jesu Christi gefeiert. Besser bekannt ist das Fest unter dem Namen „Dreikönigsfest“. Sein Name geht auf den Besuch dreier Weiser (in der Volksüberlieferung „Könige“) bei dem neugeborenen Jesus zurück. Durch ihr Zeugnis wird das Erscheinen Gottes in einem Menschen weltweit bekannt. Für die evangelischen Landeskirchen ist Epiphanias daher auch Tag der Weltmission. Für die armenisch orthodoxe Kirche fällt das Weihnachtsfest auf den 6. Januar.
Biblische Grundlage: Mt 3, 13-17;Mk 1, 9-13; Lk 3, 21-22; Mt 2, 1-12 (drei Weise) Liturgische Farbe: weiß
Fastenzeit
- Die Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch und dauert 40 Tage bis zum Ostersonntag. Sie ist eine Vorbereitung der Christinnen und Christen auf das Gedenken des Todes Jesu und die Feier seiner Auferstehung. Die Sonntage sind aus dem Fasten ausgenommen. Fasten und Abstinenz werden heute nicht mehr verbindlich eingehalten. Die evangelische Aktion „Sieben Wochen ohne“ versucht, mit zeitweiligem Verzicht auf gewohnte Verhaltensweisen und Genüsse diesen Brauch neu zu beleben.
Liturgische Farbe: violett
Gründonnerstag
- Donnerstag vor Ostern Am Gründonnerstag gedenken die Kirchen des letzten Mahles Jesu mit seinen Jüngern, der Einsetzung des Heiligen Abendmahles bzw. der Eucharistie und der Einsamkeit Jesu vor seiner Verhaftung. In manchen Gemeinden wird eine rituelle Fußwaschung zur Erinnerung an den liebevollen Abschied Jesu von seinen Jüngern (Joh 13, 1-17) gefeiert. Das „Grün“ leitet sich vom althochdeutschen grein für „weinen“ ab. In der volkstümlichen Tradition werden am Gründonnerstag meist „grüne“ Gemüsegerichte gegessen.
Biblische Grundlage: Mt 26, 17-30; Mk 14, 12-25; Lk 22, 7-23; Joh 12-17. Liturgische Farbe: weiß
Karfreitag
- Freitag vor Ostern Am Karfreitag gedenken Christinnen und Christen des Leidens und Sterbens Jesu. Für die evangelischen Kirchen ist Karfreitag traditionell der höchste Feiertag, an dem der Versöhnung Gottes mit den Menschen gedacht wird. Er wird mit der Feier des Abendmahls begangen. In der katholischen Kirche steht an diesem Tag die Verehrung des Kreuzes in Vordergrund. Die Gemeinde versammelt sich um die Todessstunde Jesu, „die neunte Stunde“ (15 Uhr) zu einem Wortgottesdienst. Das „Kar“ leitet sich vom altdeutschen kara – „Trauer“ her. Die ganze Woche von Palmsonntag bis zur Osternacht wird als „Heilige Woche“ bezeichnet. Manche Christinnen und Christen fasten am Karfreitag oder verzichten an diesem Tag auf Fleisch.
Biblische Grundlage: Mt 27, 31-56; Mk 15, 20-41;Lk 23, 32-49; Joh 19, 16-37. Liturgische Farbe: schwarz
Ostern
- An den beiden Osterfeiertagen (Ostersonntag und -montag) feiern Christinnen und Christen die Auferstehung Jesu und seinen Sieg über den Tod. Das Osterdatum ist variabel und richtet sich in Anlehnung an das jüdische Pessach-Fest nach dem Mondjahr: Ostern fällt auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond (dem Vollmond nach der Tag- und Nachtgleiche).
Nach der Kalenderreform durch Papst Gregor XIII. Im Jahre 1582 hielten manche orthodoxen Kirchen am traditionellen „julianischen“ gegenüber dem „gregorianischen Kalender“ fest. Das Osterfest fällt für sie auf einen späteren Termin als in den nicht-orthodoxen Kirchen.
Biblische Grundlage: Mt 28; Mk 16; Lk 24,1-12;Joh 20,1-18.Liturgische Farbe: weiß
Himmelfahrt
- Am Himmelfahrtstag (40.Tag der Osterzeit) wird der „Aufnahme Jesu in den Himmel“, d.h. seiner Anerkennung und Ermächtigung durch Gott in einer anderen als der irdischen Seinsweise, gedacht. Der an Himmelfahrt gefeierte „Vatertag“ hat keinen religiösen Ursprung und ist das Pendant zum „Muttertag“.
Biblische Grundlage: Lk 24, 50-52; Apg 1, 1-14. Liturgische Farbe: weiß
Pfingsten
- Das zweitägige Pfingstfest wird fünfzig (griech. pentekoste= Pfingsten) Tage nach Ostern begangen. Es bildet den Abschluss der Osterzeit. An Pfingsten feiern Christinnen und Christen die Gabe des Heiligen Geistes, die erste Überwindung der Sprachlosigkeit unter den Menschen und die Entstehung der Kirche.
Biblische Grundlage: Apg 2, 1-13. Liturgische Farbe: rot
Fronleichnam
- Am Donnerstag der zweiten Woche nach Pfingsten wird in der Katholischen Kirche das Fronleichnamsfest begangen. Wörtlich bedeutet Fronleichnam: Leib des Herrn. fron = Herr, lichnam = lebendiger Leib. In Prozessionen wird dabei die Hostie als Zeichen der Präsenz Jesu Christi unter den Menschen öffentlich gezeigt. In manchen Bundesländern ist Fronleichnam öffentlicher Feiertag.
Buß- und Bettag
- Der Buß- und Bettag ist ein im 19.Jh. in Deutschland eingeführter Feiertag, in dem eine Vielzahl vorheriger Bußtage zusammengefasst wurde. Am Buß- und Bettag bitten evangelische Christinnen und Christen um Verzeihung für die Versäumnisse und Fehler des vergangenen Jahres. Zur Finanzierung der Pflegeversicherung wurde der Bußund Bettag außer in Sachsen als arbeitsfreier, öffentlicher Feiertag abgeschafft.
Liturgische Farbe: violett
Allerheiligen / Allerseelen
- 1. November / 2. November An Allerheiligen gedenkt die Katholische Kirche aller Märtyrer und Heiligen. Allerseelen ist der Gedenktag für die Verstorbenen. Der Brauch, an Allerseelen Lichter auf die Gräber zu stellen, wurde auch von evangelischen Christinnen und Christen übernommen.
Gedenktag der Reformation
- 31. Oktober Am Reformationstag gedenkt die Evangelische Kirche des Thesenanschlags Martin Luthers als des ersten Schritts zur Reformation. Der Reformationstag ist kein offizieller, arbeitsfreier Feiertag.
Ewigkeitssonntag / Totensonntag
- Am Totensonntag gedenken die evangelischen Kirchen der Verstorbenen, insbesondere derer des zurückliegenden Jahres. Der Name „Ewigkeitssonntag“ weist auf die zukünftige Hoffnung für Lebende und Verstorbene hin. Er ist der letzte Sonntag im Kirchenjahr. In der Katholischen Kirche wird der letzte Sonntag im Kirchenjahr zu Ehren Christi, des Königs des Weltalls, gefeiert, um dadurch zu verdeutlichen, dass Jesus Christus der Zielpunkt des Kirchenjahres ist.
Liturgische Farbe: grün oder weiß
Gekürzte Fassung der Zusammenstellung von Dr. Urte Bejick, Diakonisches Werk Baden, erschienen in: Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Württemberg, Krankheit, Leiden, Sterben, Tod. Eine Handreichung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in sozialen Einrichtungen. Vollständige Neubearbeitung. Stuttgart 2004, S. 51-56.
Erklärung zu den liturgischen Farben
In den Farben bildet sich der Charakter der Kirchenjahreszeit ab. Am jeweiligen Sonntag werden die Paramente an Kanzel und Altar in der jeweiligen Farbe gewählt.
- weiß Symbol des Lichts
- violett Buße und Vorbereitung auf hohe Feiertage
- rot Farbe des Festes und des Bluts der Zeugen
- grün Schöpfung und Hoffnung
- schwarz Zeichen der Trauer