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Bei uns zu Hause war ich immer die Kleine – selbst dann noch, als ich schon meine eigene Tochter hatte ... |
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Erna F., die sich sonst eher schwer tut mit klaren Gedanken und den dazu passenden Worten, hat mit einem Mal wieder ihre Kindheit vor Augen und kann sich richtig ereifern bei ihren Erinnerungen an das Aufwachsen in der Pfarrfamilie, aus der sie stammt. „Und dann die Kleider meiner Geschwister, die ich auftragen musste – das war schrecklich“, kommt es nun aus tiefstem Herzen, und der Widerwille den sie dabei empfindet, ist beinahe mit Händen zu greifen. „Ja, genau“, nicken und raunen die anderen in der Runde, fast nur Frauen, durcheinander, jede bemüht, ein anderes Stück ihrer plötzlich aufkeimenden Erinnerungen an die Oberfläche des Bewusstseins zu holen und in Worte zu fassen.
„Bei mir war das anders“, schmunzelt jetzt Helene M. Sie ist weit über 90 und hält eine gerahmte Schwarz-Weiß-Fotografie hoch, die sie extra zum Gesprächskreis mitgebracht hat. Sie zeigt einen stattlichen jungen Mann: „Mein jüngerer Bruder. Der ist vor drei Jahren gestorben. Als er auf die Welt kam, haben unsere Eltern eine große Anzeige in die Zeitung gesetzt – ich habe sie in unserer Familienbibel gefunden: Die Eheleute Soundso freuen sich über die Geburt ihres Sohnes ... Aber bei mir, damals, das weiß ich, kein Wort ...“ Das Lächeln aus ihrem Gesicht ist verschwunden, stattdessen kullern ein paar Tränen ihre Wangen hinunter. Über die Geburt ihrer Tochter hatten sich die Eltern anscheinend nicht so gefreut.
Etwa zu zwölft sitzen wir an einer Tafel im Speisesaal der Einrichtung – diesmal zum Thema „Geschwister in der Bibel“. Wir treffen uns einmal im Monat – in der Regel an jedem ersten Freitagnachmittag – zum Gesprächskreis oder zum Abendmahlsgottesdienst und reden etwa über Gottesbilder, über Kindheit in den zwanziger und dreißiger Jahren, über Erlebnisse in den Bergen oder darüber, was alte Familienbibeln so alles erzählen.
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Wenn an eigenes Erleben angeknüpft wird, dann sprudeln die Beiträge. |
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Die Veranstaltung ist kein Bibel-, sondern ein Gesprächskreis. Mit Textarbeit sind viele der Bewohnerinnen und Bewohner überfordert. Wenn aber angeknüpft wird ans eigene Erleben, sprudeln die Beiträge – dann können auch demenziell erkrankte Menschen sich einbringen.