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Bibelgesprächskreis

Mit der Bibel durch das Leben im Heim

Für manche Bewohnerinnen und Bewohner ist das Bibelgespräch am Donnerstag (von halb elf bis halb zwölf) schon der zweite Programmpunkt des Tages; sie kommen von der Gymnastik oder vom Gedächtnistraining. Hat ein Bewohner, der immer gerne an diesen Treffen teilnimmt, den Termin vergessen, wird er schnell noch daran erinnert oder gleich abgeholt.

Für die Vorbereitung sind die katholischen und evangelischen Seelsorgerinnen und Seelsorger aus den umliegenden Kirchengemeinden im monatlichen Wechsel zuständig. Sie gestalten jeweils vier aufeinander folgende Donnerstage zu einem Thema.

Auf dem Couchtisch stehen eine Blume und eine Kerze. Wenn die Gehhilfen geparkt, die Gesangbücher und Bibeln verteilt sind und alle einen passenden Sessel gefunden haben, kann das Bibelgespräch beginnen. Die meisten der sechs bis zehn Teilnehmenden sind Frauen. Nach dem Beginn mit einem Lied und einem Psalm geht es um biblische Themen, wie die von einer Teilnehmerin sorgfältig geführte Liste zeigt: die Lesungen zum Weltgebetstag, die Bibeltexte zum Deutschen Evangelischen Kirchentag, kirchenjahreszeitlich oder thematisch orientierte Abschnitte. Manches Mal fließt die Vorliebe eines Seelsorgers für die Poesie ein, aber auch das Verhältnis von Bibel und Koran war schon Thema – nach anfänglicher Skepsis wurde es mit großem Interesse von den Teilnehmenden aufgenommen.

Das Bibelgespräch hat viele Facetten und bietet die Möglichkeit, eine ganze Reihe von Lebensbereichen anzusprechen:

  • Alle Beteiligten können im Bibelgespräch noch etwas lernen. Selbst lebenslang aktive Gemeindeglieder entdecken immer wieder neue und unbekannte Teile der Bibel oder hören bzw. erfahren bekannte neu.
  • Das Bibelgespräch fördert die ökumenische Begegnung. Katholische, evangelische und freikirchliche Prägungen treffen hier aufeinander, ebenso unterschiedliche Frömmigkeitsstile.
  • Auch die Auswirkung der geistlichen Prägung auf den Alltag – in sozialer wie in politischer Hinsicht, früher und heute – kommt im Bibelgespräch zu Wort; zum Beispiel: Wie stand eine katholische Familie von der Ostalb zu Juden? Und wie war die Ablehnung Hitlers mit der Bibel zu begründen?

Damit ist das Bibelgespräch ein zentraler Ort ökumenischer Altenbildung! Dies kann hilfreich für die Gestaltung der Gottesdienste in der Einrichtung sein.

Erfolgsrezept

Das Bibelgespräch eröffnet diese Möglichkeiten aber nur, wenn es gelingt, alle Teilnehmenden an Gespräch und Austausch zu beteiligen. In der Einführung und beim Vorlesen der Bibeltexte können die Verantwortlichen das noch am ehesten sicherstellen, indem sie laut und deutlich sprechen. Schon der Medieneinsatz ist schwierig; denn diejenigen, die schlecht hören oder sehen, wären praktisch ausgeschlossen. Auch das Gruppengespräch leidet unter diesen Einschränkungen. Häufig können die Teilnehmenden ihre Beiträge nicht so laut und deutlich artikulieren, dass sie im gesamten Kreis verständlich sind. Gelegentlich fällt es ihnen auch schwer, sich an die ganze Gruppe und nicht nur an den Verantwortlichen zu wenden. Hier ist es nötig, durch Gesprächsführung, Wiederholung und Zusammenfassung sicherzustellen, dass alle dem Gespräch folgen können.

Manchmal ist der Anfang zäh. Die Beteiligten kommen aus unterschiedlichen Welten zusammen und müssen sich aufeinander einstellen. Aber dann vergeht die Stunde doch wieder erstaunlich schnell, und die vier Donnerstage des Monats sind zu wenig, um das Thema durchzusprechen. Wenn das Bibelgespräch gelingt, ist es ungeheuer bereichernd für die Teilnehmenden, aber auch für die Verantwortlichen.

 

Matthias Ahrens, in: Evangelische Landeskirche in Württemberg / Diakonisches Werk der evangelischen Kirche in Württemberg e.V. (Hrsg.) V.i.S.d.P. Dr. Antje Fetzer, Ich will euch tragen. Handbuch, Arbeitshilfe für die Seelsorge in der Altenpflege, 2006, S. 72-73.

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