Ermutigen zum Leben
Über 120 in der häuslichen Pflege tätige Sozialarbeiter, Diakone, Pfarrerinnen und Ehrenamtliche sind im Evangelischen Gemeindezentrum Stuttgart-Rohr zum Forum „Seelsorge im Alter“ zusammengekommen. Diakonie und Landeskirche in Württemberg wollen mit ihrem Projekt „Seelsorge im Alter“ Ehrenamtliche gewinnen und schulen, Pflegekräften neue Seelsorgeangebote machen und sie für die Seelsorge qualifizieren. Außerdem sollen Kirchengemeinden und diakonische Dienste bei Initiativen unterstützt und besser vernetzt werden.
Der Theologe Dr. Heinz Rüegger vom Institut Neumünster in der Schweiz übte Kritik an der Anti-Aging-Bewegung in vielen westlichen Ländern. Schon der Begriff sei falsch, da man nicht das Altern bekämpfen wolle sondern Alterskrankheiten. Er ermunterte in seinem Vortrag zu einer „Haltung des Pro-Aging“. Christliche Altenseelsorge solle pflegebedürftigen Hochbetagten ihrer unverlierbaren Würde vergewissern, und zwar gerade dann, wenn sich alte Menschen in einer für sie subjektiv unwürdigen Situation empfänden. „Seelsorge ist ganz elementar und Ermutigung zum Leben“, betonte er. Diese Aufgabe müsse als ein Zusammenspiel vieler Akteure gesehen werden, gehe keineswegs allein die Pfarrerinnen und Pfarrer an. Seelsorge solle dazu ermutigen, das Altern, das Alter bewusst als zum Leben zugehörig zu akzeptieren – als eigene wertvolle Lebensphase mit Entwicklungspotenzial zu sehen. Den Menschen sollte auch Mut gemacht werden zu einem selbstbewussten, eigenverantwortlich gestalteten Leben sowie dazu, Widrigkeiten standzuhalten, „getrost zu ertragen“, sich nicht als Opfer zu sehen.
„Seelsorge im Alter ist ein wichtiges Thema“, sagte Kirchenrätin Heike Baehrens. Besonders wichtig sei die Seelsorge bei älteren Menschen mit körperlichen Einschränkungen und seelischen Belastungen. Mit einem zu bestellenden Feld, auf dem nun ausgesät wird, verglich sie das neue Projekt, das sich der Pflegebedürftigen zuhause annimmt. Angesichts des enormen Engagements aller hege sie die Hoffnung, „dass Pflege in unserer Gesellschaft auch in Zukunft ein menschliches Gesicht tragen wird“, erklärte Baehrens.
Geleitet wird das Projekt „Seelsorge im Alter“ für die Landeskirche von Marianne Baisch, für das Diakonische Werk von Dr. Joachim Rückle. Im April 2012 starten die ersten beiden Teilprojekte. Diese beschäftigen sich mit der Gewinnung und Schulung von Ehrenamtlichen für die Seelsorge und der Aufgabe, Seelsorgeangebote für die Mitarbeitenden in Pflege, Hauswirtschaft und Nachbarschaftshilfe zu schaffen. Die zweite Projektphase beschäftigt sich ab Frühjahr 2013 damit, wie Mitarbeitende in Pflege, Hauswirtschaft und Nachbarschaftshilfe für die Seelsorge qualifiziert werden können sowie mit der Vernetzung von Kirchengemeinden und diakonischen Diensten und Einrichtungen. Das Projekt endet im Jahr 2015.
Seelsorge im Alter
Diakonisches Werk Württemberg
Heilbronner Str. 180
70191 Stuttgart
Marianne Baisch, 0711 1656-196, baisch.m@diakonie-wuerttemberg.de
Dr. Joachim Rückle, 0711 1656–267, rueckle.j@diakonie-wuerttemberg.de