1 Warum Seelsorge an Mitarbeitenden?
Dass Mitarbeitende in Pflegeeinrichtungen einem verantwortungsvollen ´job´ nachgehen, der sie oft an die Grenzen physischer und psychischer Belastung führt, ist nichts Neues. Wie sie bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben sinnvoll unterstützt werden können, ist darum eine Frage von großer Bedeutsamkeit.
“Wertschätzung“ ist ein Begriff, der in diesem Zusammenhang immer wieder fällt. Wertschätzende Begleitung erfahren Mitarbeitende in manchen Häusern durch Einladung zu geselligen Veranstaltungen (Ausflüge, Feste etc.), durch Fortbildungsangebote oder durch eine flexible Arbeitszeitsgestaltung.
In der Prälatur Heilbronn (sie umfasst die Kirchenbezirke Backnang, Blaufelden, Brackenheim, Crailsheim, Gaildorf, Heilbronn, Künzelsau, Mühlacker, Neuenstadt, Öhringen, Schorndorf, Schwäbisch Hall, Waiblingen, Weikersheim, Weinsberg) wurde jetzt ein Projekt gestartet, das über die o.g. Ansätze hinaus spirituelle Begleitung und seelsorgerliche Beratung für Mitarbeitende in Einrichtungen der Altenhilfe anbietet. Die so genannten Quellentage haben das Ziel, eine heilsame Unterbrechung des Dienstalltags zu bewirken und den Mitarbeitenden die Erfahrung göttlicher Bejahung in der je eigenen Geschöpflichkeit zu ermöglichen.
2 Seelsorgliche Beratung
Mitarbeitende in Pflegeeinrichtungen haben die Möglichkeit, sich via e-mail beraten zu lassen, wenn Probleme am Arbeitsplatz entstehen, die sie in äußere und innere Konfliktsituationen bringen.
3 Quellentage als geistliches Angebot für Mitarbeitende
Pfarrer Matthias Hannig, AltenPflegeHeimSeelsorger in Backnang, ist im Rahmen seines Dienstauftrags für Planung und Durchführung des Projekts verantwortlich. Er arbeitet in Einrichtungen des Trägers “Stiftung Altenheime Backnang und Wildberg“. Der Startschuss der “Quellentage“ fiel deswegen auch in Backnang. In seinem Einladungsbrief an Mitarbeitende schrieb er: “Das muntere Sprudeln einer Quelle – da kommen heitere Gedanken auf, leicht wird´s einem um´s Herz, und manch einer wünscht sich dann, die eigenen Lebensquelle möchte sich auch wieder einmal so bedenkenlos-freudig in unserem Herzen regen; denn belastende Gedanken und Gefühle sind dort oft so raumgreifend, dass da nichts mehr lebendig sprudelt, sondern nur noch müde und angestrengt blubbert….. Mit der Einladung zu unseren Quellentagen möchten wir Sie ermuntern, dem eigenen ´Ja´ zum Leben auf der Spur zu bleiben und mit uns ein paar verheißungsvolle Entdeckungen zu machen.“
Die 35 Teilnehmenden verbrachten an zwei aufeinander folgenden Donnerstagen mehrere Stunden auf dem “Erfahrungsfeld der Sinne“, das zur Einrichtung EINS UND ALLES bei Welzheim gehört. Das Erfahrungsfeld EINS + ALLES ist ein Freizeitpark der anderen Art, Naturerlebnis, Ort der Ruhe und Spielparadies zugleich. Es bietet die Möglichkeit, an verschiedenen Sinnesstationen und Installationen auf dem weitläufigen Gelände sich tastend, sehend, riechend, hörend und schmeckend zu bewegen und zu fragen, was die Welt im Innersten zusammenhält.
Das haben die Pflegekräfte und die in der Hauswirtschaft, im Therapiebereich und in der Verwaltung arbeitenden Angestellten denn auch getan – und zwar im Rahmen eines Stationengottesdienstes (> Ablauf > Texte). An jeder der ausgewählten Stationen stand ein Thema menschlicher Geschöpflichkeit (z.B. “Die Fülle sehen“, “Von Worten leben“, “Lebensklängen trauen“ u.a.) im Vordergrund. Ein hinführender Text, ein Lied und ein Gebet waren dabei die stets wiederkehrenden Elemente; manchmal trat auch eine gemeinsame Aktion hinzu: Barfußlaufen auf unterschiedlichen Materialien, meditatives Gehen auf einem Labyrinth, Musizieren auf Klanghölzern, gegenseitiges Sich-Zusprechen von Segensworten u.a.).
Nach dem Mittagessen (ein zur Einrichtung gehörendes Restaurant befindet sich auf dem Gelände) besuchten die Teilnehmenden noch die “Rote Achse“, eine Art Mitmach-Museum für die Sinne. Allgemein geäußerter Wunsch nach den beiden Tagen: Auf alle Fälle weitermachen. Für Neugierige hier noch die homepage: www.eins-und-alles.de
4 Und was kostet das? Gibt es Alternativen?
Ist das seelsorgliche Anliegen, Mitarbeitenden eine Zeit zum Atemholen zu gönnen, mit den finanziellen Möglichkeiten einer Pflegeeinrichtung zu vereinbaren? Natürlich ist es ein Glücksfall, wenn wie im beschriebenen Fall der Träger einer Pflegeeinrichtung hinter den Kosten eines “Quellentages“ auch dessen Nutzen sieht und daher großzügig “in seine Tasche greift“ (Kosten pro Teilnehmer ca. € 20,00: Eintritt, Mittagessen, Fahrtkosten). Doch sollte die Durchführung eines “Quellentages“ nicht an fehlenden Mitteln scheitern.
Wer Gefallen an einer Quellentagsthematik wie der oben skizzierten hat, kann auch sparsam an die Sache herangehen: Der “Weiterweg“, ein Walderlebnispfad auf der Gemarkung Gschwend bei Gaildorf, macht´s möglich. Er ist eine Mischung aus Kunstpfad und Besinnungsweg. An zehn Stationen werden die Besucher inspiriert, über zentrale Fragen des Lebens nachzudenken. Mit seinen Installationen möchte der Künstler Martin Burchard Glaubensimpulse geben, die Lebensnähe ausstrahlen. Weitere Informationen findet man unter www.weiterweg.info
5 Und weiter?
Unter www.seelsorge-im-alter.de werden in regelmäßigen Abständen Anregungen für “Quellentage“ zu unterschiedlichen Themen erscheinen. Dazu werden auch Modelle für “Quellentage“ gehören, die ohne langen Anfahrtswege direkt vor Ort stattfinden können. Im Jahr 2010 erscheinen dann die ersten Erfahrungsberichte von “Quellentagen“ aus dem Gebiet der Prälatur Heilbronn.
© Pfarrer Matthias Hannig, Backnang