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Gründung eines Besuchsdienstes

Aufgaben und Chancen

Einen Besuchsdienst ins Leben zu rufen, heißt Frauen und Männer aus der Kirchengemeinde mit pflegebedürftigen Menschen in Kontakt zu bringen, die in einem Alten- und Pflegeheim leben.

Die Mitarbeit in einem Besuchsdienst bietet ehrenamtlichen Mitarbeitenden die Chance, sich in einem zeitlich umschriebenen Umfang mit ihren Gaben und Fähigkeiten einzubringen, zum Beispiel durch Vorlesen, Zuhören oder Begleitung beim Spazierengehen. Darüber hinaus erhalten sie die Möglichkeit, neue Kontakte in der Kirchengemeinde zu knüpfen und ihre Erfahrungen zu reflektieren. Sie werden dadurch an die Auseinandersetzung mit dem eigenen Altern und Sterben herangeführt.

Damit ein Besuchsdienst gelingt, sollten folgende Schritte bedacht werden:

1. Vorbereitungen

  • Ein Besuchsdienst, der von Kirchengemeinde und Pflegeeinrichtung gemeinsam verantwortet und aufgebaut wird, braucht die kontinuierliche Unterstützung durch diese beiden Institutionen. Deshalb sollten die verantwortlichen Gremien, Kirchengemeinderat und Heimleitung, vor der Gründung informiert, gewonnen und um Beratung gebeten werden. Eine wichtige Rolle spielt auch die Klärung der Kostenfrage. Kosten entstehen etwa für Materialien wie Werbeplakate oder für Referentinnen und Referenten bei Fortbildungen.
  • Von Anfang an ist zu berücksichtigen, wie die Besuchsdienstarbeit an die Gemeinde rückgekoppelt ist und wie sie sinnvoll in den Pflegealltag integriert werden kann. Daher empfiehlt es sich, den Besuchsdienst nicht im Alleingang ins Leben zu rufen, sondern ein Projektteam zu bilden, in dem der Kirchengemeinderat und die stationäre Pflegeeinrichtung vertreten sind. Bevor Mitarbeitende für den Besuchsdienst geworben werden, sollten alle Mitglieder des Projektteams die Einrichtung kennen gelernt haben.
  • Bevor ein Besuchsdienst ins Leben gerufen wird, sollte geklärt werden, an welche Zielgruppe im Pflegeheim er sich wendet: Werden Besucher für alle pflegebedürftigen Menschen gesucht, die im Heim leben, oder soll sich das Angebot z.B. speziell an demenziell Erkrankte richten? Dabei kommt auch die Frage nach dem Besuchskonzept in den Blick: Ist an regelmäßige Besuche ohne besonderen Anlass gedacht, oder sollen die Bewohner speziell an ihrem Geburtstag besucht werden? Die Klärung dieser Fragen ist der erste Schritt beim Aufbau eines Besuchsdienstes: Auf dieser Grundlage kann eine klare Aufgabenbeschreibung für Interessenten formuliert werden, aus der ersichtlich ist, welche Kompetenzen verlangt sind und welcher Zeitaufwand mit dem Engagement verbunden ist.
  • Für das Engagement im Besuchsdienst sind bestimmte Kompetenzen Voraussetzung. Ehrenamtliche, die sich in die Begleitung Hochbetagter und in die Seelsorge pflegebedürftiger älterer Menschen einbringen möchten, sollten folgende Fähigkeiten mitbringen: Offenheit für die Begegnung mit älteren Menschen, die Fähigkeit, zuzuhören und sich in die Situation von Pflegebedürftigen einzufühlen, Verständnis für die Lebensveränderungen im Alter, sowie Interesse am Erfahrungsaustausch in einer Besuchsdienstgruppe.
  • Die Mitarbeitenden des Besuchsdienstes sollten durch ausgebildete Seelsorgerinnen und Seelsorger, so z. B. durch die Pfarrerin oder den Diakon, begleitet werden. Dabei ist an regelmäßige, etwa monatliche Treffen zu denken, die der Fortbildung und dem Erfahrungsaustausch dienen. Darüber hinaus sollte die Möglichkeit zu Einzelgesprächen bestehen, damit besonders schwierige Erfahrungen bearbeitet werden können. Um die Begleitung zu gewährleisten, ist zunächst die Verantwortung für den Besuchsdienst zu klären und eine Leitung zu benennen.

2. Öffentlichkeitsarbeit und Information

Die Öffentlichkeitsarbeit beim Aufbau eines Besuchsdienstes zielt in erster Linie darauf, interessierte Ehrenamtliche zu werben.

In zweiter Linie trägt gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit dazu bei, ein hilfreiches Klima der Wertschätzung für die Seelsorge an pflegebedürftigen Menschen zu schaffen und einen tabuisierten Bereich derGesellschaft ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken.Konkrete Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit sind:

 

  • Entwicklung eines Faltblatts, das zur Mitarbeit im geplanten Besuchsdienst einlädt.
  • Planung und Durchführung von öffentlichen Informationsabenden. Das Programm der Informationsveranstaltungen sollte drei Themenbereiche umfassen: 1. ein Angebot zur Klärung der Motivation („Älteren Menschen begegnen – meine Rolle als Besucher/ Besucherin“); 2. Informationen zur Gesprächsführung („Miteinander reden – einander verstehen“) und 3. rechtliche und formale Rahmenbedingungen („Informationen zum Besuchsdienst im Pflegeheim“). Für die Konzeption und Durchführung der Informationsabende kann sich externe Beratung als hilfreich erweisen.
  • Für die Informationsabende sollte in geeigneter Weise geworben werden, z.B. durch Plakate und Handzettel, Abkündigung im Gottesdienst sowie Veröffentlichung im Schaukasten und in der örtlichen Presse.
    Eine alternative Möglichkeit bietet das Direktmailing, bei dem eine gezielt ausgesuchte Personengruppe persönlich eingeladen wird. Bei der Erstellung entsprechender Adresslisten ist das DAVIP-Programm hilfreich, mit dem die meisten evangelischen Pfarrämter ihre Kartei verwalten. Darüber hinaus ist nach wie vor der persönliche Kontakt eine der effektivsten Methoden der Mitarbeiterwerbung.
    Bei den Informationsveranstaltungen selbst bietet es sich an, Listen auszulegen, in die sich Interessierte eintragen können.
    Die Veranstaltungen sollten rund zwei Monate vor dem Start der Besuchsdienstarbeit stattfinden, um Interessierten ausreichend Gelegenheit zur Information und zur unverbindlichen Motivationsklärung zu geben.

3. Der Start

Nachdem der Starttermin für die Besuchsdienstgruppe frühzeitig bekannt gegeben wurde, sollte er kurz vor dem ersten Treffen in den Abkündigungen im Gottesdienst und in der örtlichen Presse in Erinnerung gerufen werden.

Beim Starttermin ist es sinnvoll, den Schwerpunkt auf das gegenseitige Kennenlernen der Gruppenmitglieder und auf praktische Absprachen zu legen. Das Treffen kann zum Beispiel folgendermaßen strukturiert werden:

  • Kennenlernphase
  • „Mein zeitliches und inhaltliches Engagement“ (Zeitaufwand und Aufgabenprofil)
  • Konkrete Absprachen für den Erstkontakt im Pflegeheim
  • Vorstellung der Einrichtung
  • Bekanntgabe der Gruppentermine
  • Austeilen eines Startpakets (Mappe mit Informationen zum Besuchsdienst und zur Einrichtung)

4. Die Begleitung des Besuchsdienstes

Eine regelmäßige und sachkundige Begleitung des Besuchsdienstes legt die Grundlage für eine dauerhafte Besuchsdienstarbeit.

Dabei geht es zum einen um die verlässliche Koordination der Aufgaben, zum anderen um die Möglichkeit, Belastendes und Unverständliches im angeleiteten Erfahrungsaustausch zu bearbeiten. Schließlich erhalten die Ehrenamtlichen die Möglichkeit sich fortzubilden.

  • Begleitung vor Ort im Pflegeheim: Die Koordination der Aufgaben übernimmt eine Kontaktperson aus der Pflegeeinrichtung. Sie stellt den Erstkontakt zwischen Besucher und Bewohnerin her und ist Ansprechpartnerin für Fragen und Konflikte vor Ort.
  • Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch: Die Besuchsdienstgruppe trifft sich regelmäßig, wenn möglich monatlich. Die Treffen werden von einer ausgebildeten Seelsorgerin geleitet und moderiert. Sie dauern ca. 90 Minuten und dienen dem Gespräch über Eindrücke und Erfahrungen. Die Seelsorgerin oder der Seelsorger hat dabei die Möglichkeit festzustellen, wie die Einzelnen gestimmt sind und ob sie die geeignete Aufgabe bekommen haben. Verbindliche Teilnahme ist daher erwünscht. Ein Gruppentreffen kann beispielsweise folgende Struktur haben: Geistliches Wort - Runde zum Ankommen - Austausch über Besuche und Erfahrungen - kurzer thematischer Input, zum Beispiel: „Was beeinflusst mein Hören und meine Fähigkeit zuzuhören?“ - Wort auf den Weg
  • Unterstützung durch Fortbildung: Die Besuchsdienstgruppe bietet den Ehrenamtlichen neben dem Erfahrungsaustausch die Möglichkeit zu regelmäßiger Fortbildung. Das Projektteam sollte drei bis vier Angebote jährlich planen. Dabei ist grundsätzlich zu klären, ob die Fortbildungsangebote für andere Interessierte offen sein sollen oder ob sie sich ausschließlich an die aktiven Ehrenamtlichen richten.
  • Ein wichtiges Fortbildungsthema ist z.B. der Umgang mit demenziell erkrankten Menschen. Es ist sinnvoll, eher medizinisch fundierte Themen mit spirituellen Angeboten, wie z.B. dem Thema „Loslassen“, abwechseln zu lassen.

5. Rückblick und Korrektur

Mit der Werbung um Ehrenamtliche ist die Öffentlichkeitsarbeit noch nicht beendet.

Regelmäßige Berichte in den lokalen Medien unterstützen die Arbeit durch Wertschätzung und reduzieren Berührungsängste in der breiten Öffentlichkeit.

Ebenso ist es geboten, die zuständigen Gremien in Kirchengemeinde und Einrichtung von Zeit zu Zeit zu informieren.

Ein besonderes Augenmerk sollte im Laufe der Zeit auf Formen der Wertschätzung für Ehrenamtliche gelegt werden. Eine Form der Ehrung stellt die Aushändigung von Zertifikaten für das geleistete Engagement dar. Auch die öffentliche Einführung von Mitarbeitenden im Gottesdienst kann ein geeignetes Ritual zur Stärkung ehrenamtlicher Arbeit sein. Dabei sind aber stets die Wünsche der Ehrenamtlichen zu respektieren.

Schließlich sollte es ein Qualitätsmerkmal sachgerechter Besuchsdienstarbeit sein, dass Ehrenamtliche selbst die Dauer ihres Engagements bestimmen können und insbesondere in der Anfangsphase Gelegenheit erhalten, ihr Engagement ohne Gesichtsverlust zu beenden. So ist es beispielsweise sinnvoll, die neu gegründete Besuchsdienstgruppe zunächst nur auf Zeit mit Aufgaben zu betrauen und ihnen die Chance zu geben, sich nach einer gewissen Probezeit nochmals neu zu entscheiden.

Wenn ein Besuchsdienstangebot eine gewisse Probephase von ca. sechs Monaten durchlaufen hat, ist es angezeigt, Rückschau zu halten und gegebenenfalls Korrekturen oder Neuregelungen einzuführen. Als Rahmen hierfür bietet sich ein gemeinsames Fest an.

 

Projektteam Ditzingen: Eva Knoblauch, in: Evangelische Landeskirche in Württemberg / Diakonisches Werk der evangelischen Kirche in Württemberg e.V. (Hrsg.) V.i.S.d.P. Dr. Antje Fetzer, Ich will euch tragen. Handbuch, Arbeitshilfe für die Seelsorge in der Altenpflege, 2006, S. 174-179.

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