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Netzwerkarbeit mit und für Senioren

Für die wachsende Zahl der Menschen über 65 Jahren gilt es, neben Bildungs-, Kultur- und Sportmöglichkeiten auch Beratungs- und Betreuungsangebote zu schaffen und auszubauen. Dafür müssen Landkreis, Kommunen, Parteien, Kirchen, Altenhilfeeinrichtungen, Vereine und Verbände diese Bevölkerungsgruppe in den Blick nehmen.

Bedarfe sind zu ermitteln und Angebote aufeinander abzustimmen. Man muss also miteinander reden und zusammenarbeiten oder im modernen Sprachgebrauch: Es müssen „Vernetzungen“ gebildet werden.

Am Beispiel der Stadt und des Landkreises Ludwigsburg soll gezeigt werden, wie ein vernetztes Versorgungssystem für ältere Menschen in den Bereichen der offenen, stationären und ambulanten Altenhilfe aussehen kann.

Einige Beispiele der „Offenen Altenhilfe“:

  • Das städtische Seniorenbüro informiert und berät zu Themen rund ums Älterwerden und bietet in den
  • städtischen Begegnungsstätten in Gymnastik-, Wander- und Fahrradgruppen aktive Gesundheitsvorsorge und Kurse zur Weiterbildung . Ein besonderes Angebot besteht für demenziell erkrankte Menschen, wobei die Entlastung der pflegenden Angehörigen ein wichtiges Ziel ist. Unterstützt von der Diakonie- und Sozialstation Ludwigsburg gGmbH wurde eine Betreuungsgruppe gegründet. Auch bietet das Seniorenbüro in Kooperation mit dem FreiwilligenForum Ludwigsburg seit Anfang 2005 eine häusliche Betreuung durch Ehrenamtliche an.
  • Ältere Menschen und deren Angehörige können sich bei Fragen zur Versorgung bei Hilfe- und Pflegebedürftigkeit an die Beratungsstelle im Landratsamt Ludwigsburg wenden.
  • Ludwigsburger Bürgerinnen und Bürger, Vertreter der freien Wohlfahrtsverbände und Institutionen der Seniorenarbeit sowie Vertreter der Heimbeiräte sind Mitglieder des Stadtseniorenrats Ludwigsburg e.V. Dieser informiert die älteren Mitbürger über sie betreffende Angelegenheiten, vertritt deren Belange in der Öffentlichkeit, macht staatliche und kommunale Behörden auf die Probleme älterer Menschen aufmerksam und arbeitet an Problemlösungen mit. Der Stadtseniorenrat ist Mitglied des Kreisseniorenrates.
  • Wie auf der Internetseite (www.ksr-lb.de) nachzulesen ist, arbeitet der Kreisseniorenrat, ein Zusammenschluss von Verbänden, Institutionen und Personen, in Gremien wie dem Landesseniorenrat oder der Arbeitsgemeinschaft Gesundheit im Landkreis, dem Landkreisnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement usw. mit. Darüber hinaus betreibt der Kreisseniorenrat ein Kontaktbüro „Rat und Tat“, in dem Senioren, deren Angehörige und Einrichtungen unterstützt, informiert und beraten werden.
  • Der Betreuungsverein des Landkreises Ludwigsburg berät Angehörige und Betroffene über gesetzliche Betreuung, bietet Schulungen an und begleitet Personen, die eine ehrenamtliche Betreuung machen möchten.
  • Invitare, eine Stiftung für Mutter und Kind, bietet einmal im Monat Menschen ab 65 Jahren im „Kontaktstüble“ die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, zu singen und gemütlich zusammenzusitzen.
  • Unter der Trägerschaft der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde, der Katholischen Gesamtkirchengemeinde, der Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz und des Diakonischen Werks Ludwigsburg entstand das FreiwilligenForum Ludwigsburg. Menschen, die sich ehrenamtlich betätigen möchten, werden über Tätigkeitsfelder informiert, beraten und vermittelt. Regelmäßige Fortbildungsangebote und Austauschmöglichkeiten runden das Angebot ab. Gruppen, Initiativen, Kirchengemeinden und Institutionen werden bei der Arbeit mit Freiwilligen unterstützt, bei der Entwicklung neuer Ideen begleitet.
  • Evangelische und katholische Kirchengemeinden bieten Seniorinnen und Senioren durch gemeinsame Nachmittage, Ausflüge und kulturelle Angebote die Möglichkeit, soziale Kontakte zu pflegen. Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde und die Stiftung Evangelisches Altenheim beschäftigen eine Altenheimseelsorgerin, die in den Häusern der Stiftung tätig ist. Sie arbeitet eng mit der Parochialgemeinde zusammen. Darüber hinaus hält sie den Kontakt der Bewohner zu ihren Heimatgemeinden aufrecht. So achtet sie z.B. darauf, dass die Bewohner regelmäßig den Gemeindebrief ihrer Heimatgemeinde erhalten. Die Katholische Gesamtkirchengemeinde hat eine „Koordinationsstelle Altenheimseelsorge“ eingerichtet. Die dort beschäftige Dipl.- Sozialarbeiterin fungiert als Kontaktperson zwischen Alten- und Pflegeheimen und katholischen Kirchengemeinden. Sie organisiert Fortbildungsveranstaltungen in Kooperation mit verschiedenen Institutionen und Trägern, sorgt für die Gewinnung und Schulung ehrenamtlicher Mitarbeiter, fördert generationenverbindende Projekte usw.
  • Der Arbeitskreis (AK) Sitzwache Ludwigsburg unterstützt Angehörige in der Begleitung sterbender Menschen. Er vernetzt sich im Rahmen des Landkreisnetzwerks mit anderen Initiativen und Gruppen zu Austausch und Fortbildungen. Hospizinitiative im Landkreis Ludwigsburg e. V. In einem Zeitraum von zehn Jahren sind im Landkreis Ludwigsburg nahezu flächendeckend und mit hohem ehrenamtlichem Engagement Sitzwachen- und Hospizgruppen entstanden. Daraus hat sich die Hospizinitiative im Landkreis Ludwigsburg e.V. entwickelt. Die ökumenische Initiative wurde von der evangelischen und der katholischen Kirche, der Caritas und der Diakonie sowie der Karlshöhe Ludwigsburg ins Leben gerufen.
  • Aufgaben der Hospizinitiative sind vor allem: Begleitung, Beratung von Schwerkranken und deren Angehörigen, Unterstützung und Beratung von pflegenden Angehörigen, Möglichkeiten der Fort-, Aus- und Weiterbildung für ehrenamtliche Mitarbeitende, Einsatz für eine adäquate Schmerztherapie.

Stationäre / teilstationäre Altenhilfe

  • Einrichtungen der Diakonie und anderer Träger der freien Wohlfahrtspflege, sowie Kommunen und private Träger haben ein breit gefächertes Angebot, zu dem wie stationäre Pflege, Kurzzeitpflege, Tages- und Nachtpflege und betreutes Wohnen gehören. Vernetzungen bestehen z.B. zu Kirchengemeinden, zur Ev. und Kath.Gesamtkirchengemeinde, zur Ev. Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg, zum Stadtseniorenrat, zum FreiwilligenForum, zur Hospizinitiative und zu verschiedenen Kindergärten.

„Ambulante Altenhilfe“:

  • Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände bieten Informationen zur häuslichen Krankenpflege, zu Mahlzeitendiensten, Hausnotruf usw. an.
  • Ambulante Dienste der Wohlfahrtsverbände und freien Träger, wie z. B. die Diakoniesozialstationen, ermöglichen alten Menschen mit Hilfe von Nachbarschaftshilfe und Pflegeleistungen auch bei Pflegebedürftigkeit ein Leben in den eigenen vier Wänden.

Spezielle Netzwerkarbeit:

  • Der Arbeitskreis Seniorenforum Ludwigsburg (Mitglieder: Seniorenbüro, Liga der Wohlfahrtsverbände, stationäre Einrichtungen, ambulante Einrichtungen, Stadtseniorenrat, ausländische Vereine, Soziale Dienste, Diakoniewerk Karlshöhe, Ehrenamtliche) tritt für die Interessen der älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger ein und versteht sich als ein Organ der Meinungsbildung sowie als Forum zum Erfahrungsaustausch.
  • Im Netzwerk „Ehrenamtliches Engagement“ engagieren sich Vertreter des Kinderschutzbundes, des FreiwilligenForums, des Diakoniewerks Karlshöhe, des Seniorenbüros, der Wohnungslosenhilfe, der Sozialberatung TiB, der Hospizinitiative, des Diakonischen Werks Ludwigsburg, der Caritas, der Altenheimseelsorge und der Stiftung Ev. Altenheim für die Gewinnung von ehrenamtlichen Mitarbeitern. Einrichtungen der stationären Altenhilfe, das Seniorenbüro und das FreiwilligenForum bieten gemeinsame Schulungsmaßnahmen für „neue“ Ehrenamtliche an.
  • Im Forum der Heimleiterinnen und Heimleiter sind alle Träger stationärer Einrichtungen des Landkreises Ludwigsburg vertreten. Das Forum trifft sich mehrmals im Jahr, um sich über Themen der stationären Altenhilfe auszutauschen.

Weitere Angebote über den Landkreis Ludwigsburg hinaus:

  • LageS (Landesarbeitsgemeinschaft evangelischer Seniorinnen und Senioren in Württemberg).
  • Die Vernetzung der Seniorenarbeit in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg geschieht durch die LageS (Landesarbeitsgemeinschaft evangelischer Seniorinnen und Senioren in Württemberg). In ihr sind Einrichtungen der Landeskirche wie zum Beispiel die Frauen- und Männerarbeit, die Fortbildungsstätten sowie die 51 Kirchenbezirke der Landeskirche durch Delegierte vertreten. Die Arbeitsgemeinschaft macht es sich zur Aufgabe, die Interessen älterer Menschen und deren Gruppierungen sowohl in der Kirche als auch in der Gesellschaft wahrzunehmen und das Verständnis für das dritte und vierte Lebensalter zu verbessern. Eines ihrer wichtigsten Anliegen ist es, ältere Menschen und die Arbeit mit Älteren vom Evangelium her zu verstehen, zu fördern und entsprechende Arbeitsformen zu finden.
  • IAV Stellen: Informations- Anlauf- und Vermittlungsstellen sind ein offenes Informations- und Beratungsangebot insbesondere für ältere Menschen und ihre Angehörigen. Gemeinsam mit den Anfragenden wird überlegt, welche Unterstützung in der jeweiligen Situation am hilfreichsten für alle Beteiligten ist. Beraten wird auch zu gesetzlichen Grundlagen und einer möglichen Finanzierung von Hilfen. IAV Stellen sind häufig angesiedelt an ambulanten Pflegediensten oder kommunalen Verwaltungen. Sofern in einer Region keine IAV-Stelle vorhanden ist, können möglicherweise die kommunalen Altenhilfefachberatungen einen Teil der Funktion der IAV-Stellen wahrnehmen.
  • Konvent der AltenPflegeHeimSeelsorgenden: Derzeit gehören dem Konvent über 600 Pfarrerinnen und Pfarrer, Diakoninnen und Diakone sowie Ehrenamtliche an.

Praktische Tipps zur Netzwerkarbeit

Die Bildung eines Netzwerkes setzt das Wissen um bestehende Strukturen vor Ort in der Kommune bzw. Gemeinde voraus. Zumeist braucht es einen „Motor“, der mit einer Idee die ersten Schritte auf den Weg bringt. Persönliche Beziehungen und eine konstante Zusammenarbeit erleichtern die Umsetzung von Ideen.

Gemeinsame Ziele verbinden und müssen zu Beginn festgelegt werden. Die Ziele sollten überschaubar sein. Das Zeitfenster bis zur Zielerreichung, der zeitliche Umfang, den die Partner einbringen können, die Vorgehensweise und andere Regularien sind zu bestimmen. Alle möglichen Beteiligten sind in diesen Prozess mit einzubeziehen, d.h. Partnerschaftlichkeit und gegenseitige Information sind Grundlagen einer effektiven Netzwerkarbeit.

 

Adelheid Bauer / Sabine Schmidt-Kotzur, in: Evangelische Landeskirche in Württemberg / Diakonisches Werk der evangelischen Kirche in Württemberg e.V. (Hrsg.) V.i.S.d.P. Dr. Antje Fetzer, Ich will euch tragen. Handbuch, Arbeitshilfe für die Seelsorge in der Altenpflege, 2006, S. 402-407.

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