Die Auswirkungen demenzieller Erkrankungen auf die Betroffenen sind
gravierend.
Geradezu dramatisch wird der Verlust der eigenen Kompetenz erlebt, und vor allem geht die Möglichkeit verloren, den durch die hirnorganischen Veränderungen erlebten Verlusten und Defiziten eine geeignete Strategie zur Bewältigung entgegenzusetzen. Betreuende Personen nehmen wahr, dass sich demenziell Erkrankte besonders im Anfangsstadium wie in einem Gefühlskarussell befinden: Sie sind hilf-, rat- und hoffnungslos. Sie spüren häufig die beschämende Zunahme von eigenen Defiziten und Verlusten, sind aber nicht in der Lage, hilfreiche Auswege zu finden.
Je weiter die Erkrankung fortschreitet, umso deutlicher tritt zu Tage, dass die Erkrankten immer mehr in ihrer eigenen Welt leben, und diese Welt hat viel mit dem früheren Leben zu tun.
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Je weiter die demenzielle Erkrankung fortschreitet, desto mehr leben die Erkrankten in ihrer eigenen Welt, und diese Welt hat viel mit dem früheren Leben zu tun. |
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Aus diesen Beobachtungen geht hervor, dass demenziell erkrankte Menschen zwar einen unaufhaltsamen Krankheitsweg vor sich haben, der von Defiziten und zunehmenden Verlusten geprägt ist, dass sie aber auch oft noch lange erstaunliche Ressourcen, Fähigkeiten und Kenntnisse besitzen. Der Gefühlskanal bei den Erkrankten bleibt erfahrungsgemäß lange offen. Auch wenn die Sprache schon ihren Sinn verloren hat, sind die Betroffenen in der Lage, nonverbale Signale zu deuten und auszusenden. Die Kranken verstehen zwar immer weniger, was die Begleitpersonen sagen wollen, wie sie jedoch mit ihnen umgehen, ist länger erlebbar.
Adelheid Bauer, in: Evangelische Landeskirche in Württemberg / Diakonisches Werk der evangelischen Kirche in Württemberg e.V. (Hrsg.), Ich will euch tragen. Handbuch, Arbeitshilfe für die Seelsorge in der Altenpflege, 2006, S. 355-356.