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2. Was ein gutes Gespräch braucht

Am Beispiel der „vier Ohren“ haben Sie gemerkt, wie vielfältig die Wirkung und „Wirklichkeit“ eines Satzes sein kann. Doch auch wenn Sie sich keine Gedanken über die „vier Ohren“ machen, können Gespräche gelingen. Carl Rogers hat hier wichtige Erkenntnisse gefunden. – Was macht für Sie ein gutes Gespräch aus? Sie haben (hoffentlich) Ihre guten Erfahrungen gemacht. Ob Sie einen Moment selbst überlegen, bevor Sie weiter lesen?

Nach guten Gesprächen konnte ich sagen:

  • Ich bin für mein Gegenüber wichtig gewesen.
  • Ich habe mich verstanden gefühlt.
  • Mein Gegenüber hat sich für mich interessiert.
  • Es hat mich weiter gebracht.
  • Ich habe mich selbst und mein Problem besser verstanden.
  • Ich habe jetzt eine neue Möglichkeit gefunden, mit meinem Problem umzugehen und kenne den nächsten Schritt.

Was muss geschehen, dass nach Gesprächen mit uns als Besucher auch solche Gedanken geäußert werden können? – Auch hier habe ich wieder einen kleinen Merkzettel für mich:

Ich achte bei mir auf:

EINFÜHLUNG • WERTSCHÄTZUNG • ECHTHEIT

und vergesse nicht die Lösungsmöglichkeiten, Stärken und Ressourcen meines Gegenübers

Michael Pfeiffer

Alle drei Stichworte gehören zusammen. Keines soll ohne das andere sein:

Ohne Einfühlung entsteht kein Verständnis. Nur wer verstanden wird, kann sich vertrauend öffnen. Doch wo ich als Zuhörer „nur“ einfühlend bin, verschmelze ich mit dem Gegenüber und habe keine hilfreiche Distanz mehr.

Ohne Wertschätzung entsteht im Gespräch kein Vertrauensklima. Doch: wo nur Wertschätzung ist, gibt es kein kritisches Gegenüber mehr. Da kann die Realität zu „rosig“ verfärbt werden.

Ohne Echtheit wirkt eine Beziehung technisch, distanziert und kalt. Das Gegenüber will aber merken, dass ihm ein Mensch und nicht eine „Echomaschine“ begegnet. Doch wo nur Echtheit da ist, nimmt sich der Zuhörer eventuell zu viel Raum und steht die Zuhörerin zu stark im Mittelpunkt.

Im Hintergrund steht die Überzeugung, dass mein Gegenüber Ressourcen, also eigene Kraftquellen hat. Sie gilt es zu entdecken. Hier sind für mich die folgenden, scheinbar widersprüchlichen Sätze wichtig:

  • Ich will Ihnen helfen, indem ich für Sie da bin.
  • Ich kann Ihnen aber (letztlich) nicht helfen, weil Sie selbst den richtigen Zugang zur Hilfe finden und „durchschreiten“ müssen.
  • Ich weiß nichts, weil Sie selbst Ihre Sorgen und Nöte am besten kennen.
  • Ich kann Ihnen aber durch meine interessierte und wache Aufmerksamkeit von „außen“ dennoch „helfen“, indem sich für Sie durch meine Gegenwart „neue Türen“ öffnen können.

Ohne Einfühlung, Wertschätzung und Echtheit und ein Bewusstsein für die Kraftquellen meines Gegenübers wird es kein gutes Gespräch geben. Das will auch „geübt“ sein.

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