„Ich möchte noch mehr – noch besser – zuhören können.“ Dafür ist es wichtig, mir – auch in Gesprächen mit nahen Menschen – deutlich zu machen, was ich mir auf einen kleinen Merkzettel geschrieben habe:
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Ich will mich immer wieder daran erinnern: Ich weiß nichts; ich verstehe nichts von diesem Menschen. Er weiß von sich alles und kann es mir mitteilen, wenn er will. Ich sehe alles durch meine Brille und verstehe alles durch meine Person. Michael Pfeiffer |
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Wirkliches Zuhören ist eine Kunst, weil ich eben alles durch „meine Brille“ sehe und so höre, wie eben nur ich höre – und sonst kein anderer. Das heißt: Je besser ich mich selbst kenne, desto besser kann ich zuhören, weil ich um meine „Sichtweise“ des Zuhörens, um meine „Hörart“ weiß. Wissen Sie, wie Sie hören? – Ich lade Sie zu einem kleinen Test ein. Stellen Sie sich vor, dass ein Ehepaar beim Essen sitzt. Der Mann fragt seine Frau: „Was ist das Grüne in der Soße?“ Was würden Sie als „Ehefrau und Köchin“ hören? Was fühlen Sie bei der Frage? Bleiben Sie ganz ruhig, werden sie ärgerlich, geraten Sie unter Druck, spüren Sie gar nichts?
Der Kommunikationspsychologe F. Schulz von Thun hat deutlich gemacht, dass wir mit vier Ohren hören. Und eines von den vieren kann bei uns jeweils besonders „groß“ sein. Hört die Ehefrau: „Egon hat die Kapern entdeckt!“ ist ihr Sachohr gut entwickelt. Kommt bei ihr an: „Egon hält mich für eine schlechte Köchin!“ empfängt sie besonders gut auf dem Beziehungsohr. Möglicherweise hört sie auch: „Egon schmeckt es nicht.“ Dann hat sie ihr Selbstkundgabeohr eingeschaltet. Möglich ist auch, dass folgender Satz bei ihr ankommt: „Das nächste Mal sollte ich die Kapern weglassen!“ Dann hat die Ehefrau auf dem Appellohr gehört. Spannend wäre es jetzt zu wissen, wie Sie den Satz mit dem „Grünen in der Soße“ gehört hätten. Das kann Sie darauf hinweisen, was Sie besonders gut hören.
Übrigens: Egon kann jede der vier gehörten Nachrichten gesendet haben, da jede Botschaft, die wir an andere weitergeben, vier Seiten hat. Immer geht es um:
An diesem Beispiel kann auch deutlich werden, dass die gesendete und die verstandene Botschaft erheblich auseinander klaffen können.
Ich sehe alles durch meine Brille und verstehe alles durch meine Person. Das heißt eben auch: Ich höre mit einem der vier Ohren besser als mitden anderen dreien. – Wichtig ist, dass wir möglichst mit allen vier Ohrenhören und uns deutlich machen, dass das, was wir sagen, auch vier Seiten(s.o.) hat.
Gesprächsführung lernen heißt also immer auch, sich selbst besser kennenzu lernen.
„Huch, ist das kompliziert!“ Vielleicht haben Sie das gerade beim Lesengedacht. – Doch die „Werkzeuge“ beim Zuhören sind wir. Unsere Erfahrungen und unser Einfühlungsvermögen, unsere Stärken und Schwächenprägen die Art und Weise, wie wir Gespräche führen. Je besser wir unskennen, desto bessere Zuhörer können wir werden.