Menschen, die sich haupt- oder ehrenamtlich in der Altenheimseelsorge
engagieren, bringen sehr vielfältige Motivationen mit:
Woraus speist sich der Gedanke der Menschenwürde? Wieso ist es gerade aus christlicher Sicht geboten, sich für den Schutz des Lebens einzusetzen Nach christlicher Überzeugung empfängt der Mensch seine Würde von Gott. Indem Gott Mann und Frau zu seinem Ebenbild geschaffen hat, hat er ihnen Anteil an den an den Gaben und Aufgaben der Schöpfung gegeben.
Jeder Mensch ist ein unverwechselbares Wesen. Er kann sich durch Sprache verständigen, für die Zukunft planen und sich Gedanken über seine Welt machen. In der Schöpfung ist er von Gott beauftragt, die Erde zu bebauen und zu bewahren, also verantwortungsvoll mit seinen Mitgeschöpfen umzugehen (1. Mose 1+2).
Die Grundlage all dieser Aktivitäten ist die liebende Zuwendung Gottes. Der Mensch muss sich seine Würde nicht erst verdienen. Sie ist ihm mit der Gottebenbildlichkeit geschenkt.
Ein besonderes Mitgeschöpf ist für den Menschen sein Mitmensch. Im Gebot der Nächstenliebe ist dieses besondere Verhältnis auf den Punkt gebracht: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ oder in der Übersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig: „Liebe deinen Nächsten, er ist wie du.“ (3. Mose 19,18)
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Liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du. Martin Buber / Franz Rosenzweig |
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Was macht die Nächstenliebe aus und wie ist sie möglich? Der Mensch kann sich seinem Nächsten liebevoll zuwenden, weil er die Fähigkeit hat, sich in ihn hineinzuversetzen. Mitleiden und damit Barmherzigkeit sind nur möglich, wenn ein Lebewesen begreift, was ein anderes gerade erlebt.
Jesus hat die Nächstenliebe immer wieder beispielhaft vorgelebt: er hat mit den Ausgegrenzten seiner Gesellschaft Tischgemeinschaft gepflegt und ihnen durch soziale Anerkennung geschenkt. Er hat leidende Menschen geheilt und sie zurück in die Gemeinschaft mit Gott und den Menschen geholt. Er hat die scheinbaren Verlierer an ihre eigene Würde erinnert. Im Gleichnis vom Barmherzigen Samariter (Lk 10, 29-37) hat er illustriert, dass Nächstenliebe unabhängig ist von Herkunft und Religionszugehörigkeit. Menschen, die einander zum Nächsten werden, setzen sich für die Würde des anderen ein.
Die christliche Lebenserwartung endet nicht mit dem Tod. Christinnen und Christen bezeugen die Auferstehung Jesu Christi von den Toten und glauben an die Vollendung des eigenen Lebens in Gottes Reich. Diese Hoffnung spiegelt sich bereits in diesem Leben:
Gott ist Herr über Leben und Tod. Ihm dieses Schöpfungshandeln streitig zu machen, etwa durch aktive Sterbehilfe, ist nach christlicher Überzeugung weder mit der Ehrfurcht vor Gott noch mit der Würde des Menschen vereinbar.
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Im Antlitz eines Menschen das Antlitz Christi entdecken. Antje Fetzer / Silke Heckmann |
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Das menschliche Leben mündet in einen Prozess körperlicher und geistlicher Verwandlung, die schon in diesem Leben Kräfte freisetzen kann, z.B. die Kraft, den leidenden Nächsten zu begleiten, oder die Gabe, im Antlitz eines Menschen das Antlitz Christi zu entdecken. Die Bewahrung der Menschenwürde bis zuletzt, für die sich Seelsorgende im Altenpflegeheim engagieren, ist als Gabe und Aufgabe fest im christlichen Menschenbild verwurzelt. Ihr Ziel- und Hoffungspunkt ist die Vollendung der Gottebenbildlichkeit, die allen Christinnen und Christen in der Auferstehung verheißen ist.
Antje Fetzer / Silke Heckmann in: Evangelische Landeskirche in Württemberg / Diakonisches Werk der evangelischen Kirche in Württemberg e.V. (Hrsg.), Ich will euch tragen. Handbuch, Arbeitshilfe für die Seelsorge in der Altenpflege, 2006, S. 31-33.