Die diakonischen Einrichtungen sehen sich heute einer Vielzahl von neuen Anforderungen und Reglementierungen gegenüber, die bei einem begrenzten und hart verhandelten Budget nicht einfach zu erfüllen sind. Die Pflegeversicherung hat zwar für die Betroffenen eine deutliche finanzielle Verbesserung gebracht, den Heimen aber deutliche Einschränkungen ihrer Handlungsspielräume auferlegt. Viele Heime sind inzwischen zu sozialen Unternehmungen mit Umsätzen eines mittleren Betriebes geworden, die entsprechende Instrumente der Leitung und Steuerung benötigen. Die Identität als diakonische Einrichtung bleibt von diesem Wandel nicht unberührt und muss, etwa durch einen Leitbildprozess, reflektiert und neu formuliert werden.
Pflegeeinrichtungen haben heute einen öffentlichen Versorgungsauftrag zu erfüllen, der von den gesetzlichen Vorgaben umrahmt wird. Leider hat das Pflegeversicherungsgesetz den Pflegebegriff jedoch weitgehend auf somatische Gesichtspunkte reduziert. Die starke Körperorientierung der Pflege kann im Einzelfall richtig sein, im allgemeinen sollte jedoch ein umfassenderer ganzheitlicher Ansatz umgesetzt werden können. Dies wäre ansatzweise dann gegeben, wenn die Pflege zumindest unter dem Gesichtspunkt auch ihrer seelsorgerlichen Wirkung ausgeübt würde.
Dies ist nicht leicht angesichts der schwierigen Personalsituation. In Zeiten, wo von öffentlicher Seite ständig neue Gesetze, Rechtsverordnungen und fachliche Anforderungen gestellt werden, erfordert ein Umdenken bzw. Bewusstmachen neuer Sichtweisen zusätzliche Mobilisierung von Energien. Die Mitarbeitenden, die den Altenpflegeberuf ergreifen, bringen eine hohe Motivation mit, die freilich mit hohen Erwartungen an die Tätigkeit und das berufliche Umfeld einhergeht. Die Realität führt dagegen bei vielen Mitarbeitenden dazu, dass das vorherrschende Gefühl in ihrem Erleben das der Unzufriedenheit ist. Die harten Rahmenbedingungen mit hoher Arbeitsbelastung bei verhältnismäßig wenig Personal tun ein übriges dazu. Der hohe Anteil an nicht ausgebildeten Pflegehelfern erfordert von den Fachpflegekräften zusätzliche Anstrengungen, um eine fachlich qualitätsvolle Arbeit zu leisten. Dazu kommen die zunehmenden Verwaltungsaufgaben durch die gesetzlich vorgeschriebene Dokumentationspflicht für alle Tätigkeiten.
Der Altenpflege fehlt die notwendige öffentliche Anerkennung, sie hat ein schlechtes Image. Unattraktive Arbeitsbedingungen, die Arbeit mit Menschen in Grenzsituationen des Lebens, dazu noch die Berichterstattung über Missstände - all dies führt nicht dazu, dass genügend junge Menschen den Altenpflegeberuf ergreifen.
Die hohe Sterblichkeit führt zu häufigen Beziehungsabbrüchen zwischen Mitarbeitenden und Bewohnern. Die ständige Konfrontation mit Leiden und Tod erfordert ein hohes Maß an seelischer und körperlicher Belastbarkeit und auf der anderen Seite eine reife Persönlichkeit. Die Mitarbeitenden brauchen selbst seelsorgerliche Begleitung, um den Belastungen standzuhalten.
Die Leitungskräfte sind hier nochmals besonders gefordert. Zwar wirkt jeder Mitarbeiter in seinem Aufgabenfeld und mit seiner ihm eigenen Begabung an der Gesamtaufgabe und an dem diakonisch-seelsorgerlichen Verständnis mit, die wesentliche Entscheidung über die gelebte diakonische Orientierung fällt aber auf der Ebene der Führungskräfte. Da auch hier nicht mehr automatisch von einer kirchlichen Identität ausgegangen werden kann, ist möglicherweise mit Widerständen zu rechnen, die bei dem Thema Seelsorge sicherlich eher verdeckt ablaufen.
Im Gegensatz zur Heimleitung sind die Mitarbeitenden wesentlich schlechter über religiöse Angebote informiert und werden in Planungen oft nicht einbezogen, was dann häufig zur Folge hat, dass die Angebote zu nicht bewohnergemäßen Zeiten stattfinden bzw. die Kenntnisse der Mitarbeitenden über die Bewohner in die Angebotsplanung keinen Eingang finden. Viele Mitarbeitende wünschen hier mehr Mitsprachemöglichkeiten und auch für ihre eigene Arbeit mehr persönliche Begleitung.