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Das Leben im Heim

Heimbewohner und Angehörige

Unterschied man früher unter den stationären Angeboten der Altenhilfe zwischen dem Altenheim und dem Altenpflegeheim, so hat sich diese Differenzierung aufgelöst, und man spricht nur noch vom Altenpflegeheim. Parallel dazu haben sich eine Reihe von neuen Angeboten für ältere Menschen entwickelt, z.B. das betreute Wohnen. Diese Wohnangebote sind z.T. angekoppelt an ein Pflegeheim, fallen also oft auch in die Zuständigkeit der Altenheimseelsorger. Diese Wohnformen für hilfsbedürftige ältere Menschen haben in den letzten Jahren in unserer Gesellschaft an Bedeutung gewonnen; die Zahl der Heime wird noch weiter zunehmen. Die Heimträger konzipieren die Heime für die Bewohner als Lebensmittelpunkte, wobei wohnliche Gestaltung und Normalität im Heimleben angestrebt werden.

Gleichzeitig hat die Pflegebedürftigkeit insgesamt in den Heimen in den neunziger Jahren erheblich zugenommen. Die Verkürzung der Verweildauer in den Krankenhäusern tut ein übriges, um diesen Trend zu verstärken. Ältere Menschen kommen dadurch in eine Umgebung, die von teilweise extremer Hinfälligkeit, oft verbunden mit psychischer Krankheit, geprägt ist.

Mit steigender Lebenserwartung erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, an einer demenziellen Krankheit zu erkranken. In den Heimen verstärkt sich somit mit dem Trend, dass immer mehr Menschen erst im höheren Lebensalter ins Pflegeheim kommen, auch die Anzahl der demenziell Erkrankten.

Ein Großteil der Betroffenen erlebt den Umzug ins Heim und den Verlust des gewohnten Umfeldes zudem als persönliche Identitätskrise. Die abnehmende Selbständigkeit sowie zunehmende Abhängigkeit und Fremdbestimmung werden als schmerzlich erlebt. Oft ist der Umzug ins Heim auch mit dem Abbruch vielfältiger sozialer Beziehungen verbunden. Die ständige Konfrontation mit Leiden, Sterben und Tod ist für viele eine starke seelische Belastung.

Seelsorger begegnen Menschen, die sich häufig verbal nicht mehr oder nur noch schlecht aus-drücken können. Bei demenziell Erkrankten kommt eine generelle Sprach- und Verständigungsstörung hinzu. Traditionelle seelsorgerliche Angebote mit ihrem Fokus auf der Sprache müssen deshalb durch neue Formen ergänzt werden.

Menschen, die sich entscheiden, in ein christlich-diakonisches Haus zu ziehen, erwarten eine Atmosphäre, die von Geduld, Freundlichkeit, liebevoller Zuwendung u.ä. geprägt ist. Christliche Angebote und Rituale sowie eine gute Kooperation mit der Kirchengemeinde werden insbesondere in diakonischen Einrichtungen erwartet. Die Bewohner bringen als Potential ihre Geschichte mit, den Reichtum der verschiedenen religiösen Erfahrungen sowie ihre kirchliche Bindung. Sie wollen so lange wie möglich als mündige Partner angesehen werden. Der Beziehungs- und Gemeinschaftscharakter der Seelsorge zeigt sich in der wechselseitigen Seelsorge in Gesprächen und im gemeinschaftlichen Feiern von Gottesdiensten und Ritualen. Die Bewohner und speziell der Heimbeirat wirken auch bei der konzeptionellen Arbeit mit.

Alte Menschen werden im Durchschnitt ca. 8 Jahre lang von ihren Angehörigen zu Hause gepflegt, bevor sie in ein Pflegeheim umziehen. Die Angehörigen sind daher häufig mit den Kräften am Ende und alle Ressourcen sind ausgeschöpft, wenn der Umzug beschlossen wird. Die Heimunterbringung bedeutet deshalb für die Verwandten auch ein emotionales Wechselbad zwischen Erleichterung und Gewissensbissen. Oft sind die Angehörigen aufgrund einer akuten Entwicklung vor die Aufgabe gestellt, innerhalb kurzer Zeit einen Heimplatz zu finden und den Einzug zu organisieren.

Die Generation der Kinder sieht sich u.U. in die Verantwortung gestellt, für ihre Angehörigen gesetzliche Betreuungsaufgaben zu übernehmen oder an Dritte abzugeben. Neben verwaltungstechnischen Aufgaben müssen sie u.U. Entscheidungen bei medizinischen Eingriffen an ihren Familienmitgliedern treffen, die sie ethisch reflektieren und verantworten müssen.

Angehörige sind durch ihre persönliche Beziehung und ihre Vertrautheit mit den Bewohnern von großer Bedeutung für die Seelsorge. Einige von ihnen halten sich sehr regelmäßig im Heim auf, bringen sich in die Tagesgestaltung ein und übernehmen Verantwortung für seelsorgerliche Angebote.

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